Kontovorstellung: Tomorrow

Nutzt du die Corona-Zeit, um auszumisten und deine Strukturen aufzubauen? Super!

Einige von euch haben mich nach meinen Konto-Empfehlungen gefragt. Die Wahl deines Kontos hängt davon ab, welche Services für dich wichtig sind. Ist es dir wichtig, zum Bankschalter gehen zu können? Dann ist eine Online-Bank nicht geeignet für dich. Ist dir Nachhaltigkeit wichtig? Dann solltest du sehr genau in die Strategie deiner Bank schauen.

In einem früheren Beitrag habe ich dir die verschiedenen Kriterien im Detail aufgezählt. Heute möchte ich dir eine Bank vorstellen, bei der ich ein Konto habe. Das soll keine Empfehlung sein, sondern einfach ein Einblick in meine Kontowahl.

Umfrage: Interessiert dich ein Video mit mehr Einblicken in dieses (und meine anderen) Konten?

Tomorrow

Mein regelmäßiges Gehalt aus meiner Teilzeitstelle bei der Vermögensverwaltung einer deutschen Unternehmerfamilie (mit Fokus auf Nachhaltigkeit) geht auf das Konto, das ich bei Tomorrow* habe. Tomorrow gilt als das “N26 der Nachhaltigkeit”.

Am Anfang hat sich Tomorrow als “Tomorrow Bank” präsentiert. Das mussten sie inzwischen wieder zurückrufen, da sie keine Bank sind und sich somit auch nicht so nennen dürfen. Sie sind eine App, und über diese App eröffnest du ein Konto bei der solarisBank.

Vorteile

  • Nachhaltigkeit: Die Bank positioniert sich als nachhaltige Bank, und bei jeder Kartenzahlung wird mir sofort angezeigt, wieviel Quadratmeter Regenwald ich mit dieser Zahlung geschützt habe. Allerdings nehme ich diesen Punkt bei den Nachteilen nochmal auf.
  • Usability: Die Nutzererfahrung ist fantastisch. Die Bedienung ist intuitiv zugänglich, ich hatte bisher nie Probleme mit der App (keine Abstürze oder ähnliches).
  • Kategorien: Die App kategorisiert automatisch jede Zahlung, die ich mit meiner Karte tätige. Das funktioniert hervorragend. Nachteil: Es ist erwiesen, dass wir bei Kartenzahlung mehr Geld ausgeben als mit Bargeld; es schmerzt uns nicht so sehr.
  • Pockets: Ich kann verschiedene “Pockets” einrichten und Geld dorthin verschieben. Das ist nur eine interene Buchung und keine tatsächliche Überweisung auf ein separates Konto. Das Geld, das ich durch Corona gespart habe, habe ich direkt auf meine zwei Pockets verteilt: Urlaub und Wohnung. Das finde ich super, weil es mir hilft, explizit für konkrete Ziele zu sparen.
  • Überweisungen: Die App merkt sich, an wen du in letzter Zeit Geld überwiesen hat, und vervollständigt die Daten automatisch. Außerdem kannst du eine IBAN fotografieren, um sie für eine Überweisung zu nutzen. Bei den elendig langen IBAN und den damit verbundenen Fehlern bin ich darüber sehr glücklich!
  • Kostenlos: Es gibt keinerlei Gebühren; keine Kontoführungsgebühren oder irgendwelche andere Gebühren (z.B. für Überweisungen). Ausnahme: Geld abheben; das erwähne ich unten bei den Nachteilen.
  • Schön: Ich gebe zu, ich mag schöne Dinge. Unten siehst du ein Foto der Girokarte, ist die nicht toll?
  • Affiliate-Programm:* Tomorrow hat ein Affiliate-Programm, also ein “Freunde werben Freunde”-Programm. Normalerweise bekommt man eine Gutschrift, wenn man eine neue Kundin wirbt. Tomorrow schenkt nicht mir etwas, sondern der Umwelt: Für jede Kundin, die ich neu werbe, werden 100 zusätzliche Bäume geschützt.* Super, oder? Ich glaube, wenn viele Kundinnen über mich kommen, bekomme ich einen Pullover von ihnen geschenkt. Da muss ich nochmal nachfragen, denn den brauche ich eigentlich nicht.

Nachteile

  • (Bislang) nur als Girokonto verfügbar. Es gibt kein Tagesgeldkonto oder Depot. Als reines “Ein-Aus” bzw. Gehaltskonto reicht mir das. Ich brauche deshalb aber auf jeden Fall ein zweites Konto bei einer anderen Bank.
  • Geld abheben: Ich kann nur zwei Mal im Monat kostenlos Bargeld abheben; darüber hinaus zahle ich Gebühren. Mit ein Grund, weshalb ich noch ein Konto bei einer anderen Bank habe.
  • Nachhaltigkeit: Wie oben beschrieben, sagt Tomorrow, dass mit jeder Kartenzahlung ein nachhaltiges Projekt unterstützt wird: Regenwald in Brasilien schützen, Zugang zu sauberem Trinkwasser in Uganda fördern, Kleinbauern in Peru unterstützen. Ich finde es aber schwierig, zu verstehen, wie sie ihren Einfluss berechnen. Würde der Regenwald ohne Tomorrow tatsächlich abgeholzt? Oder wie definieren sie “schützen”? Da wünsche ich mir noch mehr konkrete Inhalte von ihnen.
  • Mobile only: Das Konto ist nur per Handy-App zu nutzen, was ich persönlich am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig fand. Inzwischen fällt es mir überhaupt nicht mehr auf und ich empfinde es als völlig normal.
  • Greenwashing? Anfänglich hat sich die App als “Tomorrow Bank” positioniert, obwohl sie keine Bank sind. Das haben sie wieder zurückgefahren. Ich hoffe, dass sie sich nicht als nachhaltig positionieren, obwohl sie es gar nicht sind. Denn das wäre ein Bärendienst für die nachhaltigen Finanzen.

Fazit

Ich bin sehr gut zufrieden mit Tomorrow und kann sie auf jeden Fall empfehlen. Unter Nachhaltigkeits-Perspektive können sie wahrscheinlich (noch) nicht mit den etablierten Nachhaltigkeitsbanken mithalten. Dafür sind sie kostenlos und besser in der Nutzung.

Ich denke, Tomorrow ist auf einem sehr guten Weg und ist bestimmt nicht weniger nachhaltig als andere, “normale” Banken. Als “Work in Progress” sind sie auf dem richtigen Weg und ich bin gespannt zu sehen, wie sie sich in der nächsten Zeit entwickeln.

Falls du jetzt ein Konto bei Tomorrow eröffnen möchtest, klick gerne hier, dann schützen wir noch mehr Bäume.

Umfrage: Interessiert dich ein Video mit mehr Einblicken in dieses (und meine anderen) Konten?

*Affiliate-link. Wenn du über diesen link ein Konto eröffnest, werden 100 zusätzliche Bäume in einem Waldschutzprojekt in Brasilien geschützt. Dir (und mir) entstehen dadurch keine Kosten.

4 Replies to “Kontovorstellung: Tomorrow”

  1. werner

    danke für den artikel, dennoch bin ich (noch) sehr skeptisch. solange die keine eigene lizenz haben fühle ich mich auch bezüglich einlagensicherung ect. sehr unsicher, auch was ich im forum lese das sie z.b. konten schliessen weil sie nicht alle funktionen anbieten können wie p-konten, ist nicht wirklich vertrauenswürdig. dann meine 11 tonen co2 zu kompensieren und ich kann weiter fliegen? das ist alles irgendwie noch green und fancy aber echt nachhaltig? ich warte mal ab bis die im fairfinanceguide.de erscheinen oder urgewalt die testen. so richtig traue ich dem braten noch nicht. werner

    • Claudia, Female Finance Forum

      Hallo Werner,
      danke für den Kommentar!
      Du hast recht, nicht in jeder Situation eignet sich dieses Konto. Allerdings fällt die Solarisbank unter die Einlagensicherung.
      Was die Nachhaltigkeit betrifft: Abwarten und schauen, was der fairfinanceguide dazu sagt. Ich bin auch gepsannt!

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