Warum ich nicht in SpaceX investiert habe –
und es auch nicht tun werde
Ein Meinungsbeitrag von Claudia
Keine Anlageberatung. Kapitalanlagen bergen Risiken.
SpaceX ist seit dem 12. Juni 2026 börsennotiert. Mit einer Bewertung von rund 1,77 Billionen US-Dollar – mehr als Coca-Cola, Samsung und Netflix zusammen – und einem Eröffnungskurs, der am ersten Tag direkt um fast 20 % stieg. Die Schlagzeilen überschlagen sich, mein Feed läuft voll, und ich bekomme Nachrichten ohne Ende: “Hast du schon gekauft?”
Kurze Antwort: Nein. Und hier ist die lange Antwort, warum ich bei meiner Meinung bleibe:
Du kaufst Anteile – aber keine Mitsprache
Fangen wir mit dem an, was im Börsenmemo steht, aber niemand laut sagt: Elon Musk hält rund 42 % der Kapitalanteile an SpaceX – aber über eine sogenannte Dual-Class-Aktienstruktur kontrolliert er etwa 82 % der Stimmrechte. Das bedeutet: Jede Insider-Aktie zählt zehnmal so viel wie eine Publikumsaktie. Wer SpaceX-Aktien kauft, ist wirtschaftlich beteiligt, hat aber praktisch nichts zu sagen.
Musk kann nicht als CEO abgesetzt werden. Nicht durch den Aufsichtsrat, nicht durch Aktionärinnen*, nicht durch schlechte Quartalszahlen. Er ist strukturell unangreifbar. Das ist keine Spekulation, das ist sein Geschäftsmodell.
Für mich persönlich ist das ein Knock-out-Kriterium. Ich investiere in Unternehmen, nicht in Personenkulte.
Das Musk-Ökosystem landet in SpaceX – auf deine Kosten
Im Februar 2026 hat Musk sein KI-Startup xAI (inklusive der Plattform X, ehemals Twitter) in SpaceX eingegliedert. xAI wurde dabei mit 250 Milliarden Dollar bewertet. SpaceX-Aktionärinnen tragen diese Übernahme mit, ob sie wollen oder nicht.
Und das Muster geht weiter: Wenige Tage nach dem Börsengang hat SpaceX das KI-Coding-Tool Cursor für 60 Milliarden Dollar übernommen; bezahlt nicht mit IPO-Erlösen, sondern mit eigenen Aktien. Auch Grok, das KI-Modell aus der xAI-Übernahme, hinkt laut Branchenbeobachtungen weiterhin hinter Anthropic, OpenAI und Google hinterher.
Was entsteht hier gerade? Ein Konglomerat aus Raketen, Satelliten, KI, Social Media und Coding-Tools. Alles unter einer Führung, ohne echte Gegenkontrolle. Das nennt sich “vertikale Integration”. Ich nenne es: ein sehr konzentriertes Risiko.
Das Netzwerk ist ein Problem
Elon Musk war der größte Einzelspender im US-Wahlkampf 2024, mit mindestens 288 Millionen Dollar zugunsten von Donald Trump. Anschließend leitete er faktisch das sogenannte Department of Government Efficiency (DOGE) und hatte Zugang zu sensiblen Regierungsdaten.
Gleichzeitig hält SpaceX Verträge mit der NASA im Wert von über 14 Milliarden Dollar, mit dem Pentagon über 3,6 Milliarden Dollar und liefert die einzige verfügbare Methode, um US-Astronautinnen zur Internationalen Raumstation zu bringen. Mehrere Pentagon-Beamte haben öffentlich die Sorge geäußert, dass SpaceX mithilfe dieser Verträge zum Monopolisten werden könnte.
Im Frühjahr 2025 hat Musk sogar kurzzeitig damit gedroht, die Dragon-Kapsel stillzulegen – als persönliche Reaktion auf einen Streit mit Trump. NASA und Pentagon mussten hektisch bei anderen Raumfahrtunternehmen anfragen, ob sie einspringen können. Das zeigt: Ein einzelner Mann entscheidet darüber, ob die USA Zugang zum Weltraum haben.
Das ist kein stabiles Fundament für ein Investment. Das ist geopolitisches Klumpenrisiko in Aktienform.
Ob es sich finanziell gelohnt hätte? Das weiß ich noch nicht
Ja, ich weiß: Wer früh investiert hätte, hätte schon am ersten Handelstag fast 20 % gemacht. Und langfristig? Keine Ahnung. Starlink, das Satelliten-Internetgeschäft, arbeitet profitabel. Das Kerngeschäft wächst. Aber SpaceX hat 2025 auch einen Nettoverlust von fast 5 Milliarden Dollar eingefahren; nach einem Gewinn von „nur“ 791 Millionen im Jahr davor. Der Verlust kommt aus aggressiven KI-Investitionen: Die Sparte hat 2025 allein über 6 Milliarden Dollar verbrannt.
Kann sich das rechnen? Vielleicht. Ich schließe das nicht aus.
Aber finanzieller Erfolg ist für mich nicht das einzige Kriterium. Ich will verstehen, womit ich Geld verdiene und wem ich damit Macht gebe.

Extrem guter Beitrag zu SpaceX!!!! 👍🏻👍🏻👍🏻👍🏻👍🏻👍🏻👍🏻👍🏻👍🏻👍🏻👍🏻👍🏻👍🏻
Vielen Dank für diese kritische Einordnung. Der größere Kontext gerät schnell aus dem Blick, wenn man allein auf Aktienkurse schaut.
Sehr qualifizierte und differenzierte Einordnung. Vielen Dank!
Danke für die kritische Einordnung Claudia. Ich habe kürzlich in ähnlichem Zusammenhang gelesen, dass SpaceX Aktien in Kürze in bekannte ETFs aufgenommen werden (müssen?). Sogar die Wartezeit dazu würde verkürzt. Veranlagung über ETFs bringt ja viele Vorteile. Es würde mich sehr interessieren dazu mehr zu lernen, sind wir bald doch alle (indirekt) in SpaceX investiert?
Danke für deine ethische Haltung.
Vielen Dank für so eine längst fällige Stellungnahme. Diese Machtkonzentration in Verbindung mit falsch verstandener Männlichkeit ist gefährlich. Eigentlich wäre Widerstand nötig, nicht nur “nicht investieren”.