How to: Investieren in Schwellenländer

Wer sich länger und eingehender mit Investieren beschäftigt, kommt irgendwann an einer Gruppe von Ländern nicht vorbei: den sogenannten „Schwellenländern“.  

Zwischen „Entwicklungsland“ und Industriestaat 

Als Schwellenländer werden Länder bezeichnet, die nicht mehr zu den sogenannten Entwicklungsländern zählen, aber auch (noch) nicht zu den Industrienationen. Sie stehen also an der Schwelle dazu, ein Industriestaat zu werden. Je nach Definition gibt es zwischen 10 und über 100 Schwellenländer auf der Welt. Zu den bekanntesten Schwellenländern zählen u. a. die BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika, aber auch Mexiko und Malaysia. Weil die Definition nicht ganz klar ist, werden auch z. B. Südkorea oder Polen manchmal als Schwellenländer bezeichnet, was vielleicht überrascht.  

Übrigens ist Russland seit dem Einmarsch in die Ukraine vom globalen Börsenhandel ausgeschlossen und somit auch nicht mehr in den entsprechenden ETFs enthalten.  

Von Ländereinordnungen und Diskriminierung 

Noch bis in die 1980er Jahre war es sehr verbreitet, von „erster“ und „dritter Welt“ zu sprechen – eine aus heutiger Sicht sehr kritische (da postkoloniale) Einteilung. Erst mit den Antikolonialismus-Bewegungen und dem Ende des kalten Krieges fand ein Umdenken statt und man fand andere Begriffe für die Welteinteilung. 

Es wurde Konsens, dass es Menschen in Industrieländern nicht zusteht, von ihrer Herkunft als „erster Welt“ zu sprechen. Seitdem wird von Industrieländern, Entwicklungsländern und Schwellenländern gesprochen. Doch auch der Begriff Entwicklungsland ist nicht unproblematisch. Der Begriff Entwicklung kann ideologisch aufgeladen sein und eine Hierarchisierung von Gesellschaftsformen beinhalten. Alternativ kann man von Globalem Norden (Industrieländer) und Globalem Süden (Schwellen- und Entwicklungsländern) sprechen. In der Welt der Finanzen hält sich die Einteilung in Industrienationen und Schwellenländern und ermöglicht eine leichte Einordnung von Ländern und ihrer Wirtschaftsleistung/Infrastrukturentwicklung.  

Investieren in Schwellenländer: ja oder nein? 

Wir wissen nun, was ein Land zum „Schwellenland“ macht und welche die relevantesten sind. Widmen wir uns also der Frage aller Fragen: Sollte man in Schwellenländer investieren? Es gibt Stimmen, die das ganz klar befürworten, denn: 

  • Aktien aus Schwellenländern sind ein wesentlicher Teil des globalen Wirtschaftssystems Sie machen über 85 % der Weltbevölkerung aus, repräsentieren über 70 % der Landmasse dieses Planeten, beherbergen rund vier Fünftel der bekannten Rohstoffvorkommen der Erde und erzeugen zwischen 40 % und 55 % der globalen Wirtschaftsleistung1; 
  • Schwellenländer haben überdurchschnittlich großes Wachstumspotential, welches mit einer entsprechend hohen Rendite einhergehen kann;  
  • Schwellenländer sorgen für eine geographische Diversifizierung deines Portfolios; 

Klingt alles logisch und schlüssig für dich? Es gibt aber auch Gegenstimmen. Hier lauten die Hauptargumente: 

  • Im letzten Jahrzehnt (vor allem seit Corona und dem Ukraine-Krieg) haben Schwellenländeraktien schlechter performt als Industrieländeraktien und es ist unklar, wie es hier weitergehen wird. 
  • Die politische Lage in vielen Schwellenländern ist unsicher: Unruhen und Regierungsumstürze können dazu führen, dass Unternehmen sich schnell zurückziehen. 
  • China hat mit 32,1 % Anteil ein hohes Gewicht im MSCI Emerging Markets-Index; Risikostreuung sieht anders aus.  

Die Mischung macht‘s 

Wenn eine Investition in Schwellenländer für dich in Frage kommt, dann hast du zwei einfache Möglichkeiten:  

  1. Du investierst zusammen in Industriestaaten und Schwellenländer, indem du einen ETF auf den All Country World-Index (ACWI) wählst. Damit hast du ein Verhältnis von ca. 90 % Industrieländer, 10 % Schwellenländer. 
  1. Du investierst in zwei ETFs: einen World ETF und extra in einen Emerging Markets (EM)-ETF. Mit dieser Kombination kannst du selbst entscheiden, in welchem Verhältnis Industrie- und Schwellenländer stehen sollen.  

Übrigens gibt es alle drei ETFs (MSCI ACWI, MSCI World, MSCI EM) auch in der nachhaltigen Variante 😉 

Aber Achtung! 

Indexanbieter teilen Länder je nach Wirtschaftsleistung und Marktzugang in Industrie- und Schwellenländer ein und kommen teilweise zu unterschiedlichen Einteilungen. Versuche also in Szenario 2 keine ETFs verschiedener Indexanbieter zu mischen, sonst kann es passieren, dass du in bestimmte Länder doppelt investiert bist und/oder andere ganz fehlen.  

Ein Beispiel: Der Indexanbieter MSCI zählt Polen zu den Schwellenländern, Anbieter FTSE hingegen hat Polen unter den Industrienationen in seinen Indizes gelistet. Wenn du nun einen MSCI World-ETF mit einem FTSE EM-ETF kombinierst, dann bist du überhaupt nicht in Polen investiert. Du hast dieses Land also unabsichtlich von deinen Investitionen ausgeschlossen.

Wie stehst du persönlich zu Investitionen in Schwellenländer? Sind sie bereits Teil deiner Investitionsstrategie?

 

[1] https://gerd-kommer.de/schwellenlaenderaktien/

 
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