Mehr Investorinnen braucht das Land!

In letzter Zeit haben mehrere (prominente) Frauen laut ihr neues Engagement als Investorin vorgestellt: Svenja Lassen, Leiterin des Münchner Büros des österreichischen Startup-Investor-Netzwerks Primecrowd, hat 2020 das Female Investors Network (FIN) ins Leben gerufen. Encourage Ventures ist ein weiteres Investorinnen-Netzwerk, das in Gründerinnen investiert. Und Tijen Onaran, Gründerin der Global Digital Women, hat sogar einen eigenen Risikokapitalfonds ins Leben gerufen, um Gründerinnen zu unterstützen. Außerdem hat sie Carolin Kebekus, Laura Karasek und Charlotte Weise motiviert, gemeinsam mit ihr in das StartUp NeverNot zu investieren.

Warum ist es entscheidend, ob das Geld von einer männlichen oder weiblichen Investorin* kommt? Geld ist Geld; es diskriminiert nicht. Oder?

Unternehmensgründungen in Deutschland

In einer Welt, in der allein nach Talent entschieden wird, sollten 51 % aller Positionen von Frauen besetzt sein. (Zumindest wenn wir davon ausgehen, dass Talent in den meisten Fällen gleichmäßig auf alle Menschen verteilt ist.)

In Deutschland werden nur 16 % aller Unternehmen von Frauen gegründet. Das wirkt sich auf das Produktangebot aus: Männer entwickeln häufiger Produkte für Männer, Frauen bieten häufiger Angebote für Frauen. Und auch Produkte, die theoretisch für “alle” geeignet sind, orientieren sich vielfach hauptsächlich an der männlichen Norm. (Ein verbreitetes Beispiel sind Autos, deren Sicherheit insbesondere auf männliche Proportionen ausgerichtet sind. Dieses und weitere Beispiele findest du in diesem Artikel.)

Mehr Gründerinnen würde also vermutlich zu mehr Produkten für Frauen führen.

Investorinnen in Deutschland

Allerdings brauchen StartUps, die am Anfang ihrer Entwicklung stehen, Geld. Dafür gibt es Investorinnen, die das Potenzial erkennen und dieses Geld geben.

Das Problem ist: Der Anteil der Investorinnen ist sogar noch kleiner als der der Gründerinnen. In Deutschland sind nur ca. 8 % der Investorinnen weiblich.

Theoretisch sollten Investorinnen nur das (zukünftige) Unternehmensergebnis im Blick haben. Und “Frauengeführte Startups wachsen statistisch betrachtet zwar langsamer, weisen aber auch weniger Ausfallquoten auf, wodurch die Renditen letztendlich höher sind: Für jeden in sie investierten VC-Dollar erwirtschaften sie 78 Cent Umsatz, Männer nur 31 Cent” (Quelle: Business Insider).

Thomas investiert in Thomas

Das Problem mit diesen Zahlen ist: Wir Menschen umgeben uns gerne mit Menschen, die uns ähnlich sind. Deshalb gibt es in Führungspositionen deutscher Unternehmen mehr Männer mit Namen Thomas als Frauen (“Thomas-Kreislauf”). Und deshalb investieren männliche Investoren häufiger in männliche Gründer: Selbst bei gleichen Geschäftsmodellen haben Männer eine um 60 % höhere Chance als Frauen, Risikokapital zu gewinnen (Quelle: MIT). 2019 floss nur 8 % des Venture-Capital-Fonds “First Round Capital” in frauengeführte StartUps (Quelle: Forbes).

Kein Geld = keine Unternehmerin = keine Produkte für Frauen

Und damit schließt sich der Kreis: Thomas hat Geld. Thomas möchte das Geld in junge UnternehmerInnen investieren. Da er besonders an einen jungen Thomas glaubt, investiert er in Thomas jun.’s Unternehmen. Und Thomas jun. wird vermutlich kein Produkt für die Periode anbieten. Oder ein Handy, das in (kleine) Frauen-Hände passt. Und das ist gut so, denn aus Thomas sen.’s Sicht sind Produkte für die Menopause ein Nischenprodukt. (Hinweis: Etwa 51 % der Bevölkerung werden im Laufe ihres Lebens in die Menopause kommen. Nische sieht für mich anders aus!)

Mehr Investorinnen braucht das Land!

Wie überall ist auch im Investment-Bereich Vielfalt wichtig. Geschlecht, Alter, Bildungsabschluss, Migrationshintergrund… Nichts davon sollte eine Rolle spielen, und deshalb ist es so wichtig, dass möglichst viele verschiedene Ansichten vorhanden sind und gehört werden. Geld ist Macht. Als Investorin kannst du diese Macht nutzen und dich zum Beispiel für mehr Gleichberechtigung in Unternehmensgründungen einsetzen.

 

*Wegen der besseren Lesbarkeit benutzen wir nur die weibliche Form. Alle anderen Menschen sind selbstverständlich mitgemeint.

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