Locus Pocus: die Kontrolle über deine Finanzen

Mal angenommen, du bewirbst dich auf eine neue Position im Unternehmen, die es wirklich in sich hat – nur die Besten der Besten schaffen es in diese Abteilung! Wirst du dich gründlich auf die Bewerbung vorbereiten und mit gutem Gewissen in das Gespräch gehen? Oder gehörst du eher zum Team „Ich habe keine Kontrolle über das Ergebnis – wie man mich bewertet, ist tagesformabhängig und eher dem Zufall bzw. meinem Gegenüber überlassen“? 

Der Locus of Control 🕉 

Je nachdem, wo du dich mehr verortest, liegt auch der Ort deiner Kontrolle – der sogenannte Locus of Control (Rotter 1954). In der Psychologie unterscheidet man zwischen einem inneren und einem äußeren Locus of Control . Wenn wir einen inneren Kontrollort haben, gehen wir davon aus, dass wir etwas bewirken und aktiv gestalten können. Mit einem äußeren Kontrollort geben wir die Verantwortung eher ans Universum, Gott oder etwas anderes ab – wir denken jedenfalls, dass wir wenig bis keine Kontrolle haben. Bei manchen Themen und gerade für marginalisierte Gruppen kann jedoch auch der stärkste innere Antrieb manchmal nicht zum gewünschten Ergebnis führen, wenn man sich in einem diskriminierenden System oder diskriminierenden Strukturen bewegt. Einen starken inneren Antrieb bzw. Inner Locus of Control zu haben, ist sehr wertvoll; es gibt nichts Schlimmeres als sich hilf- und machtlos zu fühlen. Letzten Endes können wir aber eben nicht immer alles kontrollieren (oder beeinflussen) und es ist auch wichtig, das zu akzeptieren. Daher ist eine Mischung aus beiden Herangehensweisen ein guter Kompromiss.1  

Ein paar Beispiele: Ina & Elijah 

Ina (innerer Locus) 

Elijah (äußerer Locus) 

Ina lernt fleißig für eine Prüfung, damit sie eine möglichst gute Note bekommt. Wenn ihr Plan nicht aufgeht, macht sie sich Selbstvorwürfe und ist frustriert. 

Elijah glaubt nicht, dass er das Ergebnis beeinflussen kann und lernt gar nicht erst richtig – er wird bei einer schlechten Note allerdings netter mit sich umgehen. 

Ina lebt ihr Leben aktiv: sie sucht sich Hobbys, sucht Freundinnen, die zu ihr passen, findet den Traumjob und hat das scheinbar „perfekte“ Leben mit allen Aufs & Abs, die dazugehören. 

Elijah glaubt, dass ihm das passieren wird, was passieren soll. Er lebt sein Leben passiv und wartet darauf, dass sich ihm Möglichkeiten entlang des Wegs präsentieren. Alles kommt einfach irgendwie zu ihm; „Es ist halt einfach so.“ 

Ina arbeitet hart und ist überzeugt, dass sie eine Gehaltserhöhung verdient – sie sucht das Gespräch und lässt nicht locker. 

Elijah wartet darauf, dass er automatisch eine Gehaltserhöhung bekommt – die Laune/Entscheidung der Chefin kann er eh nicht beeinflussen. 

Wie du deinen inneren Locus finden kannst! 

Ob wir uns auf einen externen oder internen Kontrollort beziehen, ist nicht in Stein gemeißelt und du kannst jederzeit etwas verändern! Zunächst solltest du dir erstmal bewusst machen, wo dein Kontrollort liegt – folgende Fragen können dir dabei helfen: 

  • Hast du das Gefühl, dass du für deine finanzielle Situation selbst verantwortlich bist? 
  • Glaubst du, es liegt in deiner Verantwortung, dass du (zu) wenig Finanzwissen hast/hattest? 
  • Glaubst du, dass du selbst verantwortlich dafür bist, dass du nicht reich(er) bist? 

Wenn du die Mehrzahl der Fragen mit „Ja“ beantworten konntest, dann herzlichen Glückwunsch: du scheinst eine starke Selbstwirksamkeit zu haben und bist dabei, dein Leben selbst in die Hand zu nehmen! Falls du viele Fragen mit „nein“ beantwortet hast, dann ist es an der Zeit anzuerkennen, dass DU die Macherin deines Lebens bist. Auch wenn es eine höhere Kraft geben sollte, bist dennoch du deines eigenen Glückes Schmiedin! Die gute Nachricht: wir können lernen, unseren Kontrollort Schritt für Schritt nach innen zu verlegen – und gleichzeitig daran arbeiten, dass die äußeren Umstände für alle Menschen gleich sind.😊 

Wenn eine Situation auftritt, in der du dich machtlos und dem Schicksal hilflos ausgeliefert fühlst, dann schreibe dir all die Dinge auf, über die du keine Kontrolle hast. Als nächstes schreibst du eine (mindestens genauso lange) Liste, mit all den Dingen, über die du Kontrolle hast. Kannst du z. B. mit jemandem reden, dich irgendwo umhören oder anders aktiv werden? Schreib es auf! Je genauer, desto besser. So lernst du, dass du nicht machtlos bist! 

Warum der Kontrollort für deine Finanzen wichtig ist 

Es ist wichtig anzuerkennen, dass du deine Finanzen selbst regeln musst. Es ist aber nicht außer Acht zu lassen, dass wir (fast) alle ohne institutionelle Finanzbildung aufwachsen und der Finanzsektor Frauen oftmals vergisst – es liegt also nicht an uns, dass das System so ist. Was aber an uns liegt: wir können uns selbstständig Wissen aneignen und Neues lernen. Wir wachsen alle in unterschiedlichen Elternhäusern auf und einige Eltern können ihren Kindern ein solides Finanzwissen mitgeben – andere müssen erst Gelerntes wieder verlernen, bevor sie richtig loslegen können. Es liegt zu einem großen Teil an dir, ob du es schaffst und ja, es ist nicht immer fair, aber das sollte nicht der Grund sein, gar nicht erst anzufangen. 

Wenn du eine Sache aus diesem Beitrag mitnimmst, dann dass du aktiv dein Leben gestalten kannst! Nur Mut! Niemand anderes wird dir das abnehmen. Aber es ist auch ok, sich dafür Hilfe zu holen und anzunehmen und gemeinsam loszulaufen. 

 

1 Internal vs External Locus of Control: 7 Examples & Theories (positivepsychology.com) 

 
Previous Article
Next Article

3 Replies to “Locus Pocus: die Kontrolle über deine Finanzen”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert