Kindkrank – was tun?

Wer kennt’s? Was ganz witzig anmutet, ist in der Realität häufig so gar nicht zum Lachen.  

Ob Kind krank, Personalmangel oder Weiterbildungstage in der Kita, die Liste der Gründe, warum ein Kind zuhause von den Eltern betreut werden muss, ist laaaang. Und auch wenn wir hier von Eltern schreiben, so sind es doch meist die Mütter, die diese zusätzliche Care-Arbeit wuppen.  

Ein Kind hat sich in der Schule übergeben? Ruft mal schnell seine Mutter an, der Vater arbeitet sicher! Der Kindergarten richtet einen neuen Gruppenchat für die Organisation des Sommerfestes ein? Natürlich werden die Mütter in die Gruppe eingeladen, Orga-Kram ist eher was für Muttis… 

Kindkranktage – wer kriegt wie viele? 

Berufstätige Eltern können sich von der Erwerbsarbeit freistellen lassen, wenn ihr Kind erkrankt ist und Betreuung braucht. Sind die Eltern gesetzlich versichert, können sie für diese Tage Kinderkrankengeld beziehen. Im Jahr 2024 stehen jedem Elternteil pro Jahr und pro Kind 15 Kinderkrankengeldtage zu, gedeckelt auf 35 Tage insgesamt (bei mehreren Kindern). Alleinerziehenden stehen pro Jahr und pro Kind 30 Tage zu, gedeckelt auf 70 Tage. Kinderkrankengeld variiert in seiner Höhe von Krankenkasse zu Krankenkasse, es handelt sich um etwa 70 – 80 % des regulären Lohns. 

Und die Selbstständigen? 

Wer als Selbstständige freiwillig gesetzlich versichert ist, kann Kinderkrankengeld beantragen, wenn ein Anspruch auf Krankengeld mitversichert ist. Wer (angestellt) privat versichert ist, hat keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld und muss selbst Lösungen für Zeit- und (möglichen) Verdienstausfall finden. 

Mental Load und alte Rollenbilder 

Es wurde oben bereits erwähnt: ist das Kind krank, fällt das immer noch oft automatisch in den Zuständigkeitsbereich der Mütter. Klischees wie „Frauen sind eben fürsorglicher und besser in Care-Tätigkeiten“ und eine ungleiche Verteilung der (unbezahlten) Care-Arbeit sind die zentralen Probleme. Auch das Phänomen der „erlernten Hilflosigkeit“ trägt seinen Teil dazu bei, wenn der Vater z. B. nicht mal weiß, wo der Kamillentee aufbewahrt wird und wo der Zwieback. Dann macht es Frau im Zweifel einfach lieber gleich selbst, was Frauen wiederum oft als „Maternal Gatekeeping“, also ein übersteigertes Kontrollbedürfnis, vorgeworfen wird. Es ist ein bisschen wie mit Henne und Ei… Was war zuerst da?  

Der Ausweg 

Was können wir also tun? Als Betroffene sollten wir mit unserer Partnerperson ganz klar in den Dialog gehen: unsichtbare Care-Arbeit sichtbar machen, sie auflisten und fair aufteilen. Und auch den ganz konkreten Fall besprechen, was zu tun ist, wenn das Kind krank ist und es nicht immer wieder nach den alten Mustern einfach „geschehen“ lassen.  

Dafür könnt ihr z. B. den Care-Arbeit-Rechner nutzen. Oft stecken wir in Mustern fest („Das war schon immer so!“), die wir nie bewusst gewählt haben, aber wir alleine entscheiden, ob wir das länger mitmachen wollen. Du kannst JETZT entscheiden, etwas zu ändern, in deiner Partnerschaft, in deinem Umfeld oder an deinem Arbeitsplatz! 

Für Menschen, die mit Kindern arbeiten, z. B. in Schule, KiTa oder sonstigen Einrichtungen, wäre es denkbar, in „Notfällen“ oder wenn Termine vereinbart werden müssen, zuerst den Vater zu kontaktieren und eben nicht die Mutter. Die ganz Mutigen unter euch können auch mal ein paar Väter ansprechen, ob sie denn freundlicherweise einen Kuchen für das nächste Fest beisteuern könnten. Dies könnte für einige Irritationen sorgen, aber auch einen Denkanstoß sein und Paare ins Gespräch bringen, wenn daheim über die seltsame Erzieherin gesprochen wird, die doch tatsächlich beim Papa einen Kuchen ordert. 😊 

Auch beim Kinderkrankengeld sehen wir deutlich, dass Care-Arbeit weniger entlohnt wird als Erwerbsarbeit. Wir können das System nicht von heute auf morgen umkrempeln, aber einzelne Entscheidungen und Handlungen können mehr bewirken als man so denkt.

 
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