Gemeinsames Leben, gemeinsame Kosten?

Frisch verliebt zu sein ist ein wunderbares Gefühl. Das letzte, was wir in der Phase wollen, ist, über Geld nachzudenken. Dennoch sollten wir es tun – und besprechen, wie wir die Finanzen klären und somit viele Streitthemen von vornherein vermeiden können.

Heute geht es um die Aufteilung der Kosten in einer Beziehung.

Gemeinsamer Anfang

In der Anfangszeit einer Beziehung teilen wir unsere Ausgaben häufig auf Zuruf: Einer zahlt an einem Tag, beim nächsten Treffen zahlt die Andere. Es passt sich unserer Lebenssituation an.

Gemeinsamer Alltag

Wenn die Beziehung gut läuft, ziehen wir irgendwann in eine gemeinsame Wohnung. Hier bietet es sich an, ein gemeinsames Haushaltskonto zu haben. Das kann auch erstmal einfach eine gemeinsame Kasse sein, in die beide Partner ein Haushaltsgeld einzahlen. Um die Kosten fair zu teilen, bietet es sich an, dass hier nicht mehr beide Partner gleich viel in die Kasse einzahlen. Stattdessen sollten die Kosten anteilig gezahlt werden: Wer ein hohes Gehalt hat, trägt auch den größeren Anteil.

Warum ist das so wichtig? Ist nicht jede ihres eigenen Glückes Schmied und somit selbst Schuld, wenn das Gehalt niedrig ist?

Jein.

Zum einen haben wir nicht alle dieselben Ausgangsposition und Möglichkeiten, um unser Glück zu schmieden. Deutschland ist zum Beispiel im Bereich Bildung sehr undurchlässig – der Bildungsweg unserer Eltern bestimmt sehr stark unseren eigenen Bildungsweg.

Zudem besteht in Deutschland ein Altersunterschied von gut vier Jahren zwischen den Partnern in einer Beziehung. In der Mehrheit der Fälle ist der Mann älter als die Frau.¹ Dadurch ist der Mann häufig in der Karriereleiter eine Stufe weiter oben und hat somit ein höheres Gehalt.

Hinzu kommt die geschlechterspezifische Einkommenslücke – Frauen verdienen in Deutschland 6% weniger Gehalt für dieselbe Arbeit (bereinigte Einkommenslücke). Insgesamt sind es sogar im Schnitt 21% Unterschied.

Und außerdem ist es nicht immer zu erklären, weshalb das Gehalt mancher Berufe so viel höher ist als in anderen. Eine Aufteilung der Kosten, die sich an den unterschiedlichen Gehältern orientiert, ist daher nur fair.

Gemeinsame Zukunft

Wenn wir uns entscheiden, dass wir langfristig zusammen bleiben möchten, bietet sich das 3-Konten-Modell an: Es gibt ein gemeinsames Alltagskonto, und jeder Partner hat zusätzlich ein eigenes Konto. Auf dieses Konto geht das Gehalt. Jeder Partner behält denselben Betrag auf seinem Konto, und der ganze Rest des Gehalts wird auf das gemeinsame Konto überwiesen. Das Geld, welches jeder Geld für sich behält, ist “Taschengeld“, über das frei verfügt werden darf.

Das 3-Konten-Modell sieht also so aus:

Nächste Woche gehe ich noch mehr in die Details der verschiedenen Konten in einer Beziehung.

Was denkst du über das 3-Konten-Modell? Lass mir gerne einen Kommentar hier.

¹Quelle: Destatis. https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/zdw/2013/PD13_043_p002.html

9 Replies to “Gemeinsames Leben, gemeinsame Kosten?”

  1. Frauke

    Die nächste Phase ist, wenn einer – zum Beispiel aufgrund von Familiengründung, Jobwechsel etc. – ersteinmal kein Geld verdient.
    Vielleicht kannst du darüber noch schreiben? Zum Beispiel wie man hier dem Ausgleich auch bei der Renten organisiert. Dies ist auch ein emotionales Thema (Abhängigkeit / Versorgerlast).
    LG

  2. Claudia, Female Finance Forum

    Liebe Frauke,
    das ist ein sehr wichtiger Punkt, den du ansprichst: die emotionale Seite des Themas. Ich werde diese sehr gerne in den nächsten Beiträgen aufgreifen und freue mich auf weitere Kommentare von dir!

  3. Viola

    Liebe Claudia, ich denke jetzt seit letzten Sonntag immer wieder über das 3-Kontenmodell nach und irgendetwas stört mich daran. Einerseits finde ich es gut, weil sich ein Paar somit einen Lebensstil erlaubt, den sie sich gemeinsam leisten können und nicht durch eine Person hauptfibanziert wird. Auf der anderen Seite widerspricht es einem deiner letzten Posts in denn du schriebst: Wer mehr verdient bezahlt mehr (und das sei fair – warum eigentlich?). Und es passt nicht so recht mit dem 6-Töpfe Prinzip – da wäre der Posten „Lebensunterhalt“ bei einem von beiden deutlich über / unter 55%. Gut, man muss ja keine 55% für Lebensunterhalt ausgeben. Und wenn man den Punkt von Frauke miteinbezieht „dauerhaft kein oder sehr niedriges Einkommen“, dann ist das Modell aus den Fugen, oder? Du siehst, ich bin noch dabei es zu verstehen und gedanklich anzuwenden.

    • Claudia, Female Finance Forum

      Liebe Viola,
      wie schön, dass du so viel darüber nachdenkst. Das ist für mich der größte Ansporn: Frauen dazu anregen, sich mit dem Thema Finanzen auseinander zu setzen 🙂
      in dem späten Stadium des 3-Konten-Modells (“Gemeinsame Zukunft”) gehe ich davon aus, dass es ein Familien-Budget gibt. Es werden quasi alle Einnahmen beider Partner in einen Topf geworfen. Aus diesem Topf wird dann das Taschengeld für beide bezahlt, und auch alle anderen Ausgaben. Dadurch mag zwar einer der Partner unter seines individuellen 55% für Lebensunterhalt liegen; das Gesamtbudget sollte jedoch im Rahmen bleiben.
      Wenn beide Partner immer gleich viel von allem zahlen sollten, müsste sich das Lebensniveau immer an dem geringer verdienenden Partner orientieren. Was, wenn das Paar sich entscheidet, dass einer der Partner länger Elternzeit nimmt? Wenn einer betriebsbedingt den Job verliert? In einem Beruf arbeitet, der einfach weniger bezahlt als der des anderen Partners? Häufig steigen mit dem Einkommen auch die Ansprüche (etwas größere Wohnung, etwas weitere Reisen, etwas weniger sparen müssen). Dann ist es doch schön, das Familienbudget als Ganzes zu betrachten und nicht getrennt.
      Ich bin gespannt, was deine weiteren Gedanken zu dem Thema sind 🙂

  4. Christel Hoffmann

    Liebe Claudia,
    ich finde das Modell interessant, aber…
    Was mich stört, ist die Tatsache, dass du erst mal davon ausgehst, dass es immer frau ist, die weniger verdient. Und als gerechter Ausgleich bekommt sie dann mehr von dem, was mann verdient. Aber gar nicht so selten verdient eben frau mehr. Z.B. sie Akademikerin, er Handwerker oder Künstler oder Weltverbesserer etc. Wo ist dann der Anreiz für mann, sich ins Zeug zu legen? – Passt doch alles, wird er sich sagen und seine als Ausgleich gedachte Hilfe im Haushalt womöglich überschätzen. – Interessant ist eine Studie von Cornelia Koppetsch und Sarah Speck: “Wenn der Mann kein Ernährer mehr ist …” Ich möchte nur sagen, dass du bei deiner Darstellung des 3Konten-Modell von einer typisierten Beziehung ausgehst, die so womöglich nicht existiert. – LG! Christel

    • Claudia, Female Finance Forum

      Liebe Christel,
      vielen Dank für den Kommentar!
      Du hast vollkommen recht, in diesem Beitrag schaue ich mir die Zahlen an – und da sind es häufig die Männer, die mehr verdienen als die Frauen. Das ändert jedoch nichts an dem Grundkonzept. Im nächsten Beitrag (https://www.femalefinanceforum.de/2018/06/03/3-konten-modell_mit_kindern/) beschreibe ich das Modell nochmal in der praktischen Anwendung, ohne die Geschlechter-Debatte.

      Ich finde deinen Ansatz interessant, dass der Anreiz fehlt, sich ins Zeug zu legen. Wie ist das denn bei den vielen Paaren, in denen die Frau weniger verdient? Hat sie dadurch einen Anreiz, mehr zu verdienen, und ist immer frustriert, wenn sie es nicht schafft? Oder bist du der Meinung, dass insbesondere Männer diesen Anreiz brauchen? Es kommt ja eher selten vor, dass beide Partner immer gleich viel verdienen. Und was, wenn der Mann z.B. als Lehrer arbeitet und gar nicht viel Spielraum hat, sein Gehalt zu erhöhen. Fühlt er sich dann seiner Unternehmensberaterin-Partnerin immer unterlegen?
      Ich werde mir die Studie, die du genannt hast, sehr gerne anschauen. Ich persönlich träume ja davon, dass wir nicht mehr so sehr auf das Gehalt als Maßstab für Anerkennung schauen, sondern auf Menschlichkeit, Zufriedenheit oder Gutmenschentum 🙂

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