10 Dinge, die du noch nicht über das Altersvorsorge-Depot weißt 

Im Mai haben wir dir das geplante Altersvorsorge-Depot (AV-Depot) vorgestellt, damals noch mit vielen „soll“ und „könnte“. Inzwischen ist die Reform beschlossen, die neuen Produkte sollen ab dem 1. Januar 2027 starten. Hier kommen die zehn wichtigsten Dinge, kompakt und ohne dass du VWL studiert haben musst 😊 

  1. Der Startschuss fällt am 1. Januar 2027, aber kein Grund für Stress!

Gefördert werden Beiträge ab 2027. Du verpasst nichts, wenn du nicht am 1. Januar direkt loslegst (außer Zeit, in der der Zinseszins kicken kann 😉). Vergleiche in Ruhe, sobald die Konditionen feststehen. Sowohl die staatlichen Zulagen als auch die steuerliche Förderung beziehen sich immer aufs ganze Jahr; rein theoretisch kannst du also auch noch im Dezember 2027 anfangen und alle Förderungen erhalten.

  1. Der Staat legt ordentlich drauf

Für die ersten 360 Europro Jahr Eigenbeitrag gibt es 50 Cent pro Euro (also 180 Euro Zulage), für weitere 1.440 Euro 25 Cent pro Euro (nochmal 360 Euro Zulage). Macht maximal 540 Euro Grundzulage im Jahr. Dazu kommen bis zu 300 Euro Kinderzulage pro Kind, wenn du 25 Euro Eigenbeitrag im Monat pro Kind einzahlst. 

  1. Schon mit 10 Euro im Monat bist du dabei!

Die Mindesteinzahlung liegt bei 120 Euro im Jahr, also 10 Euro monatlich.Damit bekommst du 60 Euro staatliche Zulage. Wer unter 25 ist, bekommt außerdem einmalig einen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro zu seinen Einzahlungen. Man muss allerdings volljährig sein, um das AV-Depot eröffnen zu dürfen 😉 

  1. Steuern haben erstmal Pause 

    Deine Erträge werden während der Ansparphase nicht laufend besteuert; du sparst dir also während der gesamten Laufzeit die Abgeltungssteuer. Zudem kannst du deine Einzahlungen bis zur geförderten Höchstsumme von 1.800 Euro pro Jahr von der Steuer absetzen; du senkst damit also dein zu versteuerndes Einkommen. Allerdings versteuerst du später die Auszahlungen mit deinem dann geltenden persönlichen Einkommensteuersatz. Der ist bei den meisten Menschen in der Rente niedriger als während der Erwerbstätigkeit, daher wird sich das vermutlich lohnen. Einzahlen darfst du bis zu 6.840 Euro im Jahr; auf den gesamten Betrag wird keine Kapitalertragssteuer fällig. Gefördert und absetzbar sind aber nur Beiträge bis 1.800 Euro plus Zulagen. 
  2. Welches Schweinderl hätten Sie denn gern?

    Es gibt drei Varianten: 
  • Das Standarddepot ist die einfache Lösung für alle, die möglichst wenig selbst entscheiden möchten. Dein Geld wird von der Bundesbank verwaltet, die Effektivkosten sind auf höchstens 1 Prozent begrenzt. Jeder Anbieter muss dieses Standarddepot anbieten.  
  • Das Altersvorsorgedepot ohne Garantie bietet mehr Freiheit, etwa für ETF-Anlagen. Dafür trägst du das Anlagerisiko selbst; wie bei einem klassischen ETF-Portfolio sind Kursschwankungen der Preis für langfristige Renditechancen. 
  • Das Garantieprodukt bietet mehr Sicherheit: Zu Beginn der Auszahlungsphase sind je nach Variante 80 oder 100 Prozent der berücksichtigungsfähigen Beiträge garantiert. Mehr Sicherheit kann und wird allerdings langfristig wertvolle Rendite kosten. 

Für die 3f-OGs ist die Variante ohne Garantie kein Hexenwerk: Wer schon mit ETFs und Buy-and-Hold Vermögen aufbaut, kennt das Prinzip. Wichtig bleibt, dass das Geld für die Altersvorsorge gedacht und nicht so flexibel verfügbar ist wie im bisherigen Depot. 

  1. Bei der Auszahlung hast du die Wahl

    Du kannst zwischen dem 65. und dem 70. Lebensjahr die Auszahlphase beginnen. Zu diesem Zeitpunkt kannst du zwischen einer lebenslangen Rente und einem befristeten Auszahlungsplan wählen, der mindestens bis zur Vollendung des 85. Lebensjahres läuft. 
  2. Vererbbar, aber mit Haken

    Das angesparte Kapital ist grundsätzlich vererbbar. Allerdings können Zulagen und steuerliche Vorteile zurückzuzahlen sein. Eine Ausnahme gilt unter bestimmten Voraussetzungen bei der Übertragung auf einen Altersvorsorgevertrag der überlebenden Ehepartnerin. Bei einer lebenslangen Leibrente enden die Zahlungen grundsätzlich mit dem Tod, eine Rentengarantiezeit kann Hinterbliebene absichern. 
  3. Mehr Menschen werden gefördert als bisher

    Neben den Pflichtversicherten der gesetzlichen Rentenversicherung können künftig auch Selbstständige und Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke profitieren. Gerade für Selbständige, die bislang bei kaum einem staatlichen Angebot bedacht wurden, kann das AV-Depot ein echter Game Changer sein. Für Eltern und pflegende Angehörige gelten besondere Voraussetzungen. Auch Ehepartner können unter bestimmten Bedingungen mittelbar förderberechtigt sein, wenn die andere Person unmittelbar förderberechtigt ist. Dafür sind eigene Beiträge von mindestens 120 Euro jährlich nötig, die Zulage ist in diesem Fall auf 175 Euro begrenzt. 
  4. Dein bestehendes Depot lässt sich nicht „umdeklarieren“

    Gefördert wird nur Geld, das du neu auf das AV-Depot einzahlst;ein Übertrag vorhandener ETF-Anteile ist nicht möglich. Du könntest sie verkaufen und den Erlös einzahlen, dann fällt aber Abgeltungssteuer an. Meist ist es besser, dein bisheriges Depot weiterlaufen zu lassen und das AV-Depot mit einem neuen Sparplan aufzubauen. Das AV-Depot ist ein eigener, zertifizierter Vertrag: Du wählst aus dem, was dein Anbieter darin zur Verfügung stellt. Ob dein bisheriger ETF dabei ist, hängt also vom Anbieter ab. Dafür wächst dein Geld in der Ansparphase steuerfrei, ist aber auch bis zum Rentenalter gebunden. 

  5. Wähle deinen Anbieter mit Bedacht!

    Zurzeit unterbieten sich die verschiedenen Anbieter (Banken, Broker, Versicherungen) mit ihren Preisen; die ersten Anbieter haben angekündigt, für mehrere Jahre keine Gebühren zu nehmen. Für uns Verbraucherinnen ist dieser Preiskampf super, denn je günstiger das Produkt, umso mehr bleibt für uns übrig. Aber wir wissen natürlich: Insbesondere im Finanzsektor gibt es nichts umsonst! Wenn das Produkt gratis ist, sind wir die Ware. Wir sollen also geködert werden, um dann bei dem jeweiligen Anbieter auch andere Produkte zu kaufen. Behalte das im Hinterkopf und schau dir in Ruhe an, welche Angebote es gibt (z. B. auf Finanztip). Wir informieren dich hier natürlich auch weiterhin regelmäßig über die aktuellen Entwicklungen!  

Und jetzt? 

  1. Nichts überstürzen. Vergleiche die Angebote, sobald die Konditionen feststehen. 
  1. Riester prüfen. Kosten, Garantien und Restlaufzeit vergleichen, bevor du wechselst. 
  1. Depotstrategie überlegen. AV-Depot und normales ETF-Depot können sich ergänzen: Förderung auf der einen, Flexibilität auf der anderen Seite. 

Sobald die Anbieter ihre Konditionen verbindlich veröffentlichen, schauen wir genauer hin und updaten dich selbstverständlich. Stay tuned! 😊 

 
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6 Replies to “10 Dinge, die du noch nicht über das Altersvorsorge-Depot weißt ”

    • Claudia, Female Finance Forum

      Hallo Kirsten,
      es lohnt sich auf jeden Fall, dir das AV-Depot genau anzuschauen. Für die kurze Zeit ist vermutlich ein hoher Anleihen-Anteil sinnvoll (anstelle eines hohen Aktien-Anteils). Du wirst also in der kurzen Zeit nicht viel Rendite erwirtschaften; für dich sind aber die staatlichen Zulagen attraktiv. Mit 1800 € Einzahlung bekommst du 540 € vom Staat geschenkt; das entspricht einer unmittelbaren Rendite von 30 %! Die würde ich an deiner Stelle nicht liegen lassen 😉
      (Keine Anlageberatung; bitte mach dir deine eigenen Gedanken und triff deine eigene Entscheidung!)

  1. Conny Gräfing

    Hallo Claudia,
    vielen Dank für die Infos. Wäre denn ein Altersvorsorgedepot auch noch für Ü-60jährige interessant?

    Viele Grüße
    C. Gräfing

    • Claudia, Female Finance Forum

      Hallo Conny,
      es lohnt sich auf jeden Fall, dir das AV-Depot genau anzuschauen. Für die kurze Zeit ist vermutlich ein hoher Anleihen-Anteil sinnvoll (anstelle eines hohen Aktien-Anteils). Du wirst also in der kurzen Zeit nicht viel Rendite erwirtschaften; für dich sind aber die staatlichen Zulagen attraktiv. Mit 1800 € Einzahlung bekommst du 540 € vom Staat geschenkt; das entspricht einer unmittelbaren Rendite von 30 %! Die würde ich an deiner Stelle nicht liegen lassen 😉
      (Keine Anlageberatung; bitte mach dir deine eigenen Gedanken und triff deine eigene Entscheidung!)

  2. Kerstin

    Hi Claudia,
    Ich bin deutsche Staatsangehörige und habe viele Jahre in Deutschland gelebt und gearbeitet. Nun lebe ich in Frankreich und mein Einkommen wird in Frankreich versteuert. Bekomme ich als im europäischen Ausland lebende Deutsche alle beschriebenen Zulagen? Stehen mir die Vorteile des AV-Depots zu?
    Herzlichen Dank für deine Antwort!

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