Soll ich meine Investments ändern? (D)ein klarer Weg zu klugen Entscheidungen
In Allgemein
Es ist normal, hin und wieder zu zweifeln und sich zu fragen: „War meine Anlageentscheidung richtig?“ oder „Soll ich mein Portfolio anpassen?“ Finanzmärkte schwanken, Lebensumstände ändern sich, und dein Wissen wächst auch weiter. (Woher wir das wissen? Nun ja, du liest gerade diesen Newsletter 😉)
Was vor ein paar Jahren sinnvoll war, passt heute vielleicht nicht mehr für dich. Und das ist erstmal vollkommen in Ordnung! Zum Problem könnten deine Zweifel allerdings werden, wenn sie dich dazu verleiten, aus Angst zu verkaufen, Trends hinterherzuhecheln oder ständig alles umzuwerfen. Wenn es dir so ergeht, ist es Zeit, deine Investmententscheidungen systematisch auf den Prüfstand zu stellen. Wir zeigen dir in vier Schritten, wie es geht!
Schritt 1: Zurück zu deinem „Warum?“
Bevor du Veränderungen vornimmst, stelle dir drei Fragen, um deinen aktuellen Status Quo zu eruieren:
- Wofür investiere ich? Altersvorsorge, Eigenheim, finanzielle Freiheit?
- Wie lange ist mein Anlagehorizont? Kurzfristige Ziele erfordern andere Strategien als langfristige.
- Wie viel Risiko kann und will ich tragen? Risiko und Komfortzone sollten übereinstimmen.
Wenn sich an diesen Grundpfeilern im Laufe der Jahre nichts geändert hat, ist oft auch keine große Anpassung nötig.
Schritt 2: Fakten statt Gefühle
Entscheidungen über Investments sollten immer auf Fakten beruhen, nicht auf kurzfristigen Schwankungen oder Schlagzeilen. Prüfe also:
- Würdest du mit deinem heutigen Wissen wieder dieselbe Entscheidung treffen?
- Passt die Investition noch zu deiner ursprünglichen Strategie?
- Sind die Kosten (z. B. die Total Expense Ratio) weiterhin vertretbar und angemessen?
- Ist das Risiko der Anlage für dich verständlich und nachvollziehbar? Verstehst du das Produkt und könntest es deiner Oma erklären?
Ein schlechtes Jahr (hallo Volatilität!) macht kein schlechtes Investment. Ein schlechtes Produkt hingegen schon.
Schritt 3: Änderung ≠ Aktionismus
Gründe, etwas zu verändern, können sein:
- Deine Lebenssituation hat sich deutlich geändert.
- Dein Portfolio ist ungewollt stark aus dem Gleichgewicht geraten.
- Ein Produkt stellt sich als (zu) teuer, intransparent oder strategisch ungeeignet heraus.
Oft reicht es, Anpassungen vorzunehmen statt alles umzuschichten: Sparraten anpassen, neue Investments unterschiedlich gewichten oder langfristig umschichten. Steuern, Kosten und Timing sollten dabei immer mitgedacht werden, denn wie besagt eine gängige Börsenweisheit so treffend: „Hin und her macht Tasche leer.“
Um die Performance deiner Investition auf einen Blick zu erfassen, kann es hilfreich sein, sie zu vergleichen – z.B. mit einem MSCI ACWI SRI. Wir nutzen dafür gerne die Seite www.onvista.de; du kannst aber genauso gut andere Finanzseiten verwenden. Denk daran, dir nicht nur das letzte Jahr, sondern mindestens die letzten 5 oder sogar 10 Jahre anzuschauen.
Schritt 4: Regelmäßige Portfolio-Checks
Führe feste Termine ein – einmal oder zweimal im Jahr – um dein Portfolio objektiv zu prüfen:
- Stimmen die Gewichtungen noch?
- Hat sich dein Risiko ungewollt verändert?
- Fühlst du dich mit deiner Strategie sicher, auch in schwachen Marktphasen?
Wenn ja, bist du auf Kurs und kannst so weitermachen. Falls nicht, siehe die Punkte oben 😊
Das Wichtigste
Der Weg zur finanziellen Selbstbestimmung verläuft nicht immer gradlinig und ist auch nicht immer perfekt. Versuche Entscheidungen so bewusst, informiert und selbstbewusst wie möglich zu treffen. Dein Geld soll langfristig für dich arbeiten. Du darfst es dabei begleiten, nachjustieren und weiterentwickeln – aber nicht ständig hinterfragen. Denn nicht jede Unsicherheit verlangt nach einer Veränderung. Manchmal braucht sie nur Klarheit.

Hi Claudia,
“Ein schlechtes Jahr (hallo Volatilität!) macht kein schlechtes Investment. Ein schlechtes Produkt hingegen schon.”
Danke für diesen Kommentar! Ich habe eigentlich die konsequente Haltung, keine Verluste zu realisieren. Vor zwei Jahren habe ich in einen bus dato solide performenden Branchen-ETF investiert, der aber nach wenigen Monaten ins Minus rutschte und nicht mehr rauskam. Auch das offizielle Rating wurde herabgestuft. Nachdem ich versucht habe, das auszusitzen, hab ich ihn letzte Woche mit de facto Verlust verkauft, weil einfach keine Besserung abzusehen war (und ja trotzdem Gebühren anfallen). Ich habe zusätzlich ein paar meiner alten World-ETf-Anteile verkauft, die ganz gute Gewinne brachten. Dadurch konnte ich zumindest die Steuerlast der Gewinne mit dem Verlust des Branchen-ETF ausgleichen. Der Betrag liegt jetzt bei 3% auf dem Tagesgeldkonto, bis die allgemeinen Kurse wieder etwas fallen, dann fülle ich die bestehenden, gut laufenden ETFs auf.
Das Umschichten bzw. Anpassen ist auch ein Lernprozess und ein Argument mehr dafür, warum man früh mit dem Investieren anfangen sollte. Dann schlagen auch solche Fehlgriffe in der Langzeitperspektive nicht zu heftig zu Buche.
Liebe Birgit,
der Lernprozess ist so wichtig! Kleine Schritte mit Fehlern, damit die großen Schritte weniger fehlerhaft sind 😉
Wenn sich im Laufe der Jahre ETFs und Aktien angesammelt haben, ist das gar nicht so einfach. Helfen da die Portfoliotracker z.B. von Extraetf und sind sie vertrauenswürdig?
Ja, diese Portfoliotracker finde ich hilfreich. Ich selbst nutzt aber eine Excel-Tabelle; das ist meiner Erfahrung nach leider am zuverlässigsten. Einmal pro Jahr, an meinem Dagobert Duck-Tag, schaue ich mir alles an.