Investieren trotz US-Bezug? Die wichtigsten Stolpersteine und mögliche Strategien für deinen Vermögensaufbau 

US-Staatsbürgerinnen* in Deutschland stoßen beim Investieren auf echte Hürden – aber es ist nicht unmöglich, Vermögen aufzubauen. Entscheidend ist, die besonderen US-Regeln zu kennen und passende Umwege zu nutzen.  

Warum US-Bezug zum Problem werden kann 

Die USA besteuern ihre Bürgerinnen weltweit – egal, wo sie wohnen und wo das Depot liegt (sogenannte „citizenship-based taxation“). Wer also die US-Staatsbürgerschaft (ggf. zusätzlich zur deutschen) hat, bleibt gegenüber dem amerikanischen Finanzamt stets melde- und steuerpflichtig.  

Gleichzeitig gelten US-Bürgerinnen im Finanzjargon als „US-Personen“, was nicht nur klassische Staatsbürgerinnen betrifft, sondern auch oft Greencard-Inhaberinnen oder Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft. Viele Betroffene merken erst bei der Depoteröffnung, dass sie aus Sicht der Bank plötzlich als „kompliziert“ gelten.  

KYC, Geldwäsche und US-Vorgaben 

Deutsche Banken müssen ihre Kundinnen kennen („Know Your Customer“, KYC) und Geldwäscheprävention betreiben – dafür fallen ohnehin viele Prüfungen und Meldungen an. Kommt ein US-Bezug dazu, greifen zusätzliche Regeln wie das US-Gesetz FATCA (“Foreign Account Tax Compliance Act”), das ausländische Banken verpflichtet, Daten von US-Personen an die US-Steuerbehörde zu melden. Für die Bank bedeutet das: mehr IT-Schnittstellen, mehr Prozesse, mehr Haftungsrisiko – und teils empfindliche Strafen, wenn etwas schiefgeht. Viele Institute haben deshalb entschieden, US-Personen gar nicht erst als Depotkundschaft zu akzeptieren oder bereits bestehende Wertpapierdepots zu kündigen.  

Steuerfallen: ETFs, Fonds und PFIC 

Selbst wenn die Eröffnung eines Depots möglich ist, lauern steuerliche Fallstricke: Viele europäische ETFs und Fonds gelten aus US-Sicht als „Passive Foreign Investment Company“ (PFIC). Diese Einstufung führt oft zu einer sehr ungünstigen, pauschalen US-Besteuerung und aufwendigen Formulareinreichungen – ein echter Dealbreaker für Standard-ETF-Strategien.  

Auch beliebte Lösungen wie fondsgebundene Versicherungen oder Fondspolicen sind aus US-Sicht meist keine „safe harbor“-Produkte, wenn sie in nicht-US-Fonds investieren. Wer hier unbedarft investiert, kann später mit hohen Steuer(nach)forderungen und Berichtsaufwand in den USA überrascht werden.  

Was praktisch (noch) möglich ist 

Trotzdem gibt es Wege, wie du als US-Staatsbürgerin in Deutschland investieren kannst – sie sind nur weniger „plug and play“ als bei rein deutschen Anlegerinnen. Typische Optionen, die in der Praxis genutzt werden:  

  • Spezialisierte Banken/Broker: Einige wenige Institute in Deutschland oder im EU-Ausland nehmen US-Personen noch an, oft mit Fokus auf US-konforme Produkte und höheren Mindestvolumina.
  • US-Broker weiter nutzen: Wer in den USA ein Depot hat, kann dieses oft auch aus Deutschland weiterführen und so vor allem US-ETFs und -Aktien nutzen, die steuerlich besser in das US-System passen.  
  • ETF-Rentenversicherung: Manche Anbieter bieten Rentenversicherungen an, über die auch US-Steuerpflichtige in ETFs investieren können; die Vertragskonstruktion liegt dann eher im Versicherungs- als im Bankbereich und wird von einigen als praktikabler Weg genutzt.  

Zusätzlich kann eine Vermögensverwaltung helfen: Sie übernimmt die Auswahl US-kompatibler Produkte und teilweise auch einen Teil der Dokumentationspflichten, was es Banken leichter macht, dich als Kundin zu akzeptieren.  

Konkrete Schritte, um zu investieren 

Wenn du eine US-Staatsbürgerschaft und einen Wohnsitz in Deutschland kombinierst, helfen dir vor allem diese Schritte: 

  • Status klären: Prüfe genau, ob du aus US-Sicht als „US-Person“ giltst (Staatsbürgerschaft, Greencard, doppelter Pass, gemeinsame Veranlagung mit US-Partner etc.).  
  • Steuerliche Beratung suchen: Eine Steuerberatung mit DE/US-Kompetenz ist Gold wert, um PFIC-Fallen, Doppelbesteuerung und falsche Produktwahl zu vermeiden.  
  • Anbieter gezielt ansprechen: Frage bei spezialisierten Finanzberatungen, ob sie Erfahrung mit US-Personen haben, und erkundige dich ausdrücklich nach US-konformen Produkten oder ETF-Rentenversicherungen. Nutze auf jeden Fall ein ausführliches, meist kostenloses Erstgespräch, um zu klären, ob sie dir wirklich weiterhelfen können. Wir haben die folgenden Beratungen empfohlen bekommen, ohne sie selbst bewerten zu können:  
  • Eigenes Risiko managen: Lege dir notfalls vorübergehend mehr Liquidität aufs Tages- oder Festgeldkonto und plane den Einstieg in Wertpapiere über passende Strukturen statt über „Standard-Depot + Standard-ETF“. 
  • Ehepartnerin* einbinden: Klingt irrwitzig, ist es vielleicht auch. Aber die Investition über deine Ehepartnerin kann ein leichterer Weg sein, wie du trotzdem in ETFs investieren kannst. Obwohl wir natürlich immer sagen: Eine Partnerin ist keine Altersvorsorge! Und Eheverträge sind wichtig! 

So nervig die zusätzlichen Hürden sind: Sie müssen dich nicht davon abhalten, Vermögen aufzubauen – aber sie sind ein starkes Argument dafür, das Thema nicht alleine, sondern wohlüberlegt und mit spezialisierten Partnerinnen anzugehen.  

 

* Wegen der besseren Lesbarkeit benutzen wir nur die weibliche Form. Alle anderen Menschen sind explizit mitgemeint.

 
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