Dein Finanz-Fahrplan für den Jahresendspurt
Die Ferien sind bei den allermeisten nun vorbei und die nächsten Ereignisse werfen ihre Schatten voraus (wer hat sie schon entdeckt, die Halloween- und Weihnachtsdeko in den Regalen?). Doch bevor auch dieses Jahr sich wieder schneller verabschiedet als wir gucken können, wollen wir euch motivieren, euch die letzten Monate des Jahres nochmal intensiv mit euren Finanzen zu beschäftigen.
Falls du dir am Jahresbeginn konkrete Ziele gesetzt hast, vielleicht unser Rad des Lebens ausgefüllt hast, dann ist jetzt ein super Zeitpunkt, diese Ziele wieder hervorzuholen und zu evaluieren: Sind die Ziele weiterhin zutreffend? Bist du auf einem guten Weg, sie zu erreichen, oder möchtest du jetzt den Turbo einlegen? Du hast noch vier Monate Zeit in diesem Jahr – nutze sie weise! Was willst du bis zum Jahresende, pro Monat, pro Woche erreichen? Und was willst du vielleicht auch lieber streichen, weil es nicht mehr zu dir passt?
Falls du keine konkreten Ziele hast, die du erreichen möchtest, haben wir Inspiration für dich, womit du dich beschäftigen könntest. Genau jetzt lohnt sich nochmal ein prüfender Blick auf deine Zahlen. Gerade auch, weil sich nächstes Jahr so einiges in Sachen Altersvorsorge ändert!
Bevor du mit deinen neuen Zielen startest, nimm dir einen Moment Zeit, um dich selbst zu feiern. Du gehst deinen Weg; jeder Schritt zählt, egal wie groß oder klein.
Schritt 1: Der schnelle Kassensturz
Zuallererst: schau dir an, was du hast. Und zwar wirklich hast, also dein Nettovermögen. Das ist der Betrag, der übrig bleibt, wenn du von all deinem Guthaben deine Schulden oder Verbindlichkeiten abziehst. Öffne dein(e) Depot(s), deine Fest- und Tagesgeldkonten und auch dein Girokonto. Rechne dein Guthaben zusammen und ziehe alles davon ab, was du noch anderen schuldest. Notiere dir den Wert am besten mit Datum. Wenn du willst, kannst du daraus auch eine jährliche Routine machen und z. B. in einer Excel-Tabelle verfolgen, wie sich dein Nettovermögen entwickelt.
In einem zweiten Schritt prüfst du, ob die Verteilung deines Vermögens, deine asset allocation, noch zu deiner aktuellen Lebenssituation und deinen Zielen passt: In diesem Zusammenhang kannst du auch dein jährliches Rebalancing nachholen, falls du es noch nicht gemacht hast. Mehr zum Rebalancing kannst du hier nachlesen. Falls z. B. deine Aktienquote durch die Kursentwicklung dieses Jahr aus dem Ruder gelaufen ist, ist jetzt der Moment, das wieder geradezurücken. Denk aber daran: Öfters als einmal pro Jahr ist es nicht nötig und auch nicht sinnvoll zu rebalancieren!
Neben dem Vermögen lohnt sich auch ein Blick auf deine Ein- und Ausnahmen: Hat sich seit Januar 2026 etwas verschoben? Hast du ein Kind bekommen? Geht ein Kind mehr in der KiTa? Gab es einen Jobwechsel, eine neue Wohnung (Stichwort Lifesytle Inflation)? Größere Veränderungen in deinem Leben haben Auswirkungen darauf, wie viel du monatlich verdienst, brauchst und zur Seite legen kannst. Sei unbedingt im Bilde! Hier könnte auch das beliebte Haushaltsbuch hilfreich sein.
Schritt 2: Freibeträge checken
Hast du deinen Sparerpauschbetrag (aktuell 1.000 Euro für Einzelpersonen, 2.000 Euro für Paare) über den Freistellungsauftrag bei deinen Kreditinstituten korrekt verteilt? Falls nicht, ziehen Banken auf deine Erträge Steuern ab, auch wenn du unter dem Freibetrag bleibst. Diese Abzüge bekommst du zwar über die Einreichung deiner Steuererklärung zurück, aber warum unnötig in Vorleistung gehen und dem Finanzamt einen zinsfreien Kredit geben? Bei den meisten Anbietern kannst du problemlos online einsehen und überprüfen, ob und in welcher Höhe du einen Freistellungsauftrag hast. Lieber einmal nachrechnen, als etwas zu übersehen!
Wenn sich nichts in deiner Vermögensaufstellung verändert hat, kann alles so bleiben wie bisher.
Schritt 3: Der Blick nach vorn – das Altersvorsorgedepot
Und jetzt zum eigentlichen Grund, warum es sich jetzt besonders lohnt, dich nochmal mit deinen Finanzen zu beschäftigen: Ab dem 1. Januar 2027 startet das neue Altersvorsorgedepot, der (voraussichtlich deutlich bessere) Nachfolger der Riester-Rente.
Wie funktioniert es? Du zahlst ein, der Staat legt drauf und zwar ordentlich: 50 Prozent Zulage auf die ersten 360 eingezahlten Euro und 25 Prozent auf weitere Einzahlungen von 360,01 Euro bis 1.800 Euro. Bei 150 Euro pro Monat (1.800 Euro pro Jahr) holst du die maximale Förderung von 540 Euro pro Jahr raus. Die Kosten sind gedeckelt (maximal 1 Prozent pro Jahr), was bei Riester-Verträgen mit ihren 1,5-2,5 Prozent deutlich anders aussah.
Was heißt das für dich konkret?
- Hast du einen alten Riester-Vertrag? Kündige ihn nicht vorschnell! Ab 2027 kannst du ihn ins neue System überführen, entweder beim gleichen Anbieter oder durch einen Wechsel zu einem günstigeren Depot. Notiere dir das für Januar.
- Hast du noch keine geförderte Altersvorsorge? Du musst nicht bis 2027 warten – ein normales ETF-Depot solltest du schon heute starten, und die Fördersystematik kommt dann obendrauf.
- Bist du selbstständig? Gute Nachricht: Anders als bei Riester sind ab 2027 auch Freiberuflerinnen* und Unternehmerinnen förderberechtigt.
Deine Checkliste für die nächsten vier Monate
- Depot und Konten auf Passung zur aktuellen Lebenssituation prüfen
- Notgroschen-Check: reicht er schon/nach wie vor für 3-6 Monate Ausgaben?
- Ggf. Alljährliches Rebalancing nachholen: Alle Assets noch im Rahmen und korrekt verteilt?
- Freistellungsaufträge/Sparerpauschbetrag kontrollieren
- Falls Riester vorhanden: Vertrag NICHT kündigen, Unterlagen für 2027 bereitlegen
- Falls noch kein Depot: jetzt schon starten, statt auf Januar zu warten. Claudia hat ihr Depot bei Scalable Capital**; du kannst dich aber auch einfach z. B. bei Finanztip umschauen, welches Depot zu dir passt.
Wenn du dich jetzt solide aufstellst, sind Finanzen im neuen Jahr erstmal kein Thema mehr und du hast Zeit für andere Dinge. Bist du dabei?
* Wie immer, benutzen wir in unseren Beiträgen nur die weibliche Form. Alle anderen Menschen sind explizit mitgemeint.
** Werbung. Keine Anlageberatung. Kapitalanlagen bergen Risiken.
Tags: Finanzen, Frauen, Freistellungsauftrag, Geld, Investieren, Jahresendspurt, Motivation
