Klumpenrisiken 101: Wenn zu viel von deinem Geld am selben Ort hängt 

Diversifikation ist eines der wichtigsten Prinzipien der Geldanlage. Aber was bedeutet das eigentlich konkret für dich und wo lauern Klumpenrisiken, die du vielleicht gar nicht auf dem Schirm hast? 

Was ist ein Klumpenrisiko? 

Ein Klumpenrisiko entsteht, wenn ein (zu) großer Teil deines Vermögens von einem einzigen Faktor abhängt. Fällt dieser Faktor weg oder bricht er ein, trifft dich das unverhältnismäßig hart. Das Tückische: Klumpenrisiken sind oft unsichtbar und werden erst schmerzhaft sichtbar, wenn es bereits zu spät ist. 

Die klassischen Klumpenrisiken 

Das bekannteste Klumpenrisiko ist die geografische Konzentration. Wer ausschließlich in deutsche oder europäische Aktien investiert, ist stark von der wirtschaftlichen Entwicklung ebendieser Region abhängig. Ein breit gestreuter ETF wie der MSCI World verteilt das Risiko auf tausende Unternehmen weltweit, aber auch hier gibt es einen Haken: Ein erheblicher Anteil ( rund 72 %, Stand September 20261) entfällt auf US-amerikanische Unternehmen. Wer das nicht weiß, denkt er streut weltweit und klebt dabei trotzdem vor allem an einem Markt. (Deshalb finden wir z. B. den MSCI All Countries World Index, also MSCI ACWI, spannender als den MSCI World. Im MSCI ACWI sind nämlich neben den Industrieländern auch die Schwellenländer enthalten. Deine Investitionen sind also noch breiter gestreut als im MSCI World.) 

Ähnliches gilt für Branchen. Technologieaktien haben in den letzten Jahren stark performt – doch wer ausschließlich dort investiert ist, trägt ein erhebliches Sektorrisiko. Bricht die Branche ein, stürzt das Depot gleich hinterher. 

Die weniger offensichtlichen Klumpen 

Deine Arbeitskraft ist auch ein Asset und bei den meistens in Euro. Wer in Deutschland arbeitet, verdient in Euro, zahlt in Euro ein und lebt in Euro. Wenn du dann auch noch verstärkt in deutsche (DAX) oder europäische (STOXX Europe 600) Unternehmen investierst, hängt dein gesamtes wirtschaftliches Leben an einer einzigen Währung und einer einzigen Wirtschaftsregion. Das ist ein Klumpenrisiko, das viele nicht als solches erkennen, weil es so selbstverständlich wirkt. 

Dein Arbeitgeber als Klumpen. Wer Mitarbeiteraktien oder Beteiligungen am eigenen Unternehmen hält, geht ein doppeltes Risiko ein: Läuft es schlecht im Unternehmen, verlierst du nicht nur Vermögen, sondern möglicherweise auch deinen Job. 

Die Immobilie. Für viele Menschen ist das Eigenheim der größte Vermögenswert und gleichzeitig völlig illiquide, regional gebunden und nicht diversifiziert. Das ist per Definition „ein Klumpen“. Das bedeutet nicht, dass Immobilien per se schlecht sind, aber es bedeutet, dass man das bewusst einpreisen sollte beim Vermögensaufbau. 

Anbieterklumpen: Wenn du alles an Giralgeld > 100.000 € (Girokonto, Tagesgeld, Festgeld, Sparbrief,…) bei einem einzigen Kreditinstitut hast, kann das auch zu einem Klumpenrisiko werden: Geht das Kreditinstitut pleite, gilt für 100.000 € pro Bank und Kundin* die europäische Einlagensicherung. Jeder Cent, der diesen Betrag übersteigt, kann dann futsch sein. 

Rentenklumpen: Wer heutzutage noch ausschließlich auf die gesetzliche Rente setzt, hängt komplett am staatlichen System und an der demografischen Entwicklung. Bundeskanzler Friedrich Merz hat kürzlich erst unmissverständlich klargemacht, dass die staatliche Rente nur als Basisabsicherung verstanden werden darf. Zusätzliche Vorsorge ist daher Pflicht! 

Wie entzerrst du Klumpenrisiken? 

Du bist beim Lesen ganz blass geworden und hast gemerkt, dass auch du mehr Klumpenrisiken eingegangen bist, als dir lieb ist? Keine Panik! Starte erst einmal mit einer gründlichen Bestandsaufnahme. Schreibe auf, wo dein Vermögen überall „dranhängt“ und wie es sich wo verteilt: Konten, Depot, Immobilie, Arbeitgeber, Währung, Rentenpunkte… 

Dann: bewusste Gegenpositionen aufbauen. Wer in Deutschland arbeitet und wohnt, profitiert von einem höheren Anteil internationaler Investments im Depot. Wer Mitarbeiteraktien hält, sollte den Rest breiter streuen. Wer nur bei einem Kreditinstitut ist, öffnet weitere Konten bei einem weiteren. Wer bisher nur in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt hat, kümmert sich JETZT um die beiden anderen Säulen, sprich betriebliche Altersvorsorge und private Vorsorge. 

Und schließlich: regelmäßig prüfen. Am besten bei deinem jährlichen Rebalancing. Hier kannst du mehr dazu lesen. Klumpen entstehen oft schleichend, z. B. weil eine Position stark gewachsen ist und nun einen zu großen Anteil ausmacht. 

Diversifikation bedeutet nicht alles gleichmäßig zu verteilen, sondern bewusst zu entscheiden, wo sich Konzentration für dich stimmig anfühlt und wo nicht. 

1 https://www.msci.com/documents/10199/255599/msci-world-index.pdf

* Wie immer, benutzen wir in unseren Beiträgen nur die weibliche Form. Alle anderen Menschen sind explizit mitgemeint.

 
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