Stabil im Kern, mutig an den Rändern – das Core-Satellite-Modell
Wir wissen nicht, wie es euch mit euren ersten Investitionen ging, aber wir waren ganz schön aufgeregt damals. Doch irgendwann laufen die ETF-Sparpläne von selbst, der routinierte Blick ins Depot wird immer seltener und irgendwann kommt die Frage auf: Geht da vielleicht noch mehr? Die Antwort lautet: Ja! Und dafür braucht es keine wilde Zockerei, sondern eine kluge Struktur. Und genau diese bietet das Core-Satellite-Modell.
Was steckt dahinter?
Das Prinzip des Core-Satellite-Modells erinnert an den Aufbau des Sonnensystems: In der Mitte liegt ein stabiler Kern (core), die Sonne. Um ihn oder sie herum schwirren kleinere, gezieltere Positionen, die Satelliten bzw. Planeten. Der Core sorgt für Ruhe und Rendite, die Satelliten für gezielte Chancen. Zusammen ergibt das ein Portfolio, welches Ruhe, Risiko und Rendite so ausbalanciert, dass dein Investorinnenherz* zwar ruhig schlafen kann, aber auch mal ein paar Hüpfer machen darf.
Der Core – das stabile, nachhaltige Fundament
Der Core sollte den Löwinnenanteil ausmachen, in der Regel 70 bis 80 Prozent deines investierten Kapitals. Hier solltest du auf eine maximal breite Streuung (thematisch, geographisch, etc.), niedrige Kosten und die eigene Werteorientierung achten (z. B. Nachhaltigkeit von Anfang an).
Konkret könnte das bedeuten: statt eines klassischen MSCI World ETF, greifst du zum MSCI ACWI SRI1. Dieser deckt tausende Unternehmen weltweit ab (Industrie- und Schwellenländer), mit dem Unterschied, dass Unternehmen mit besonders schlechten ESG-Bewertungen, Kohleproduzenten oder Rüstungskonzerne rausgefiltert werden. Auch Unternehmen wie Amazon, Apple oder Meta werden ausgeschlossen – schlechte Arbeitsbedingungen, schlechter Datenschutz. Dennoch bieten ETFs auf diesen Index dir breite Streuung und niedrige Kosten in Kombination mit klarer Haltung.
✅ Faustregel: Je weniger Aufwand du betreiben willst, desto höher gewichtest du deinen Core — und desto wichtiger ist es, dass er schon von Grund auf zu dir passt. Der Core dient vor allem dazu, deine Rentenlücke zu schließen, also den Grundbedarf zu decken.
Die Satelliten: deine gezielten Akzente
Die restlichen 20 bis 30 Prozent verteilst du auf Satelliten — kleinere ETF-Positionen oder auch Einzelaktien, die über den Core hinaus gezielte Schwerpunkte setzen. Hier geht es nicht mehr um Grundwerte, sondern um strategische Überzeugungen: Welche Regionen, Branchen oder Trends hältst du für besonders zukunftsfähig? Hier dürfen Bauchgefühl, Spaß und Spontaneität mitmischen.
Mögliche Satelliten:
- 💡 Zukunftsthemen: Erneuerbare Energien, Gesundheitsversorgung, Bildungstechnologie
- 🏠 Immobilien: REITs oder Immobilien-ETFs als Stabilitätsbaustein mit anderen Renditetreibern
- 💶 Heimvorteil: Ein Europa-ETF, falls du Europa strukturell stärken willst
- Und natürlich: Einzelaktien, Kryptowährungen, Direktbeteiligungen…
Wichtig: Jeder Satellit braucht eine Begründung, die du in ein bis zwei Sätzen erklären kannst. Kaufst du etwas nur, weil es gerade überall gehypt wird, dann ist es kein Satellit, sondern ein Zufallskauf. Achte immer auf deine individuellen Klumpenrisiken, wenn du Satelliten auswählst.
In 4 Schritten zu deinem Core-Satellite-Portfolio
Schritt 1: Aktienquote festlegen: Wie viel deines Vermögens fließt in ETFs? Welche Aufteilung auf Aktien- und Anleihen-ETFs? Das ist dein Ausgangspunkt.
Schritt 2: Nachhaltigen Core definieren: Wähle einen oder maximal zwei breit gestreute ESG- oder SRI-ETFs als Herzstück (RW). Empfehlung: 70–80 % deines investierten Vermögens.
Schritt 3: Satelliten bewusst auswählen: Was überzeugt dich strategisch? Welche Regionen oder Themen willst du stärker gewichten? Hier darf Überzeugung rein — aber mit klarem Kopf.
Schritt 4: Sparplan einrichten & dranbleiben: Automatisiere, was automatisierbar ist. Den Core per Dauerauftrag besparen, Satelliten gelegentlich manuell aufstocken oder anpassen.
Das Schöne daran?
Das Core-Satellite-Modell ist kein starres System, es wächst mit dir. Der Core bleibt, hält das Depot stabil und spiegelt dabei von Anfang an wider, wofür du stehst. Bei den Satelliten darfst und solltest du regelmäßiger aktiv werden: Wenn du in fünf Wochen, Monaten oder Jahren andere Überzeugungen hast, tauschst du (einen) Satelliten aus. Du behältst die Kontrolle, ohne dein Leben ums Portfolio herum zu organisieren.
Klingt nach einem Plan? Dann wird’s Zeit für dein ganz eigenes finanzielles Sonnensystem! 🪐
*Wie immer, benutzen wir in unseren Beiträgen nur die weibliche Form. Alle anderen Menschen sind explizit mitgemeint.
1 Keine Anlageempfehlung!
Tags: Core-Satellite-Modell, ETFs, Finanzen, Geld, Investieren, Motivation, Ziele

Danke, Claudia! Das ist ein wirklich interessanter Gedanke! – Übrigens macht es auch in höherem Alter (78!) Sinn, in ETFs zu investieren. Clean Energy hat uns in nur 1 Jahr über 40% Steigerung gebracht. Hängt natürlich mit der aktuellen Situation zusammen, weshalb es uns Sinn machte, bei relativer Volatiliät des ETFs und unter Berücksichtigung des eigenen Alters – 😅 – den Gewinn abzuschöpfen. – Liebe Grüße, Christel