“Rate my Portfolio!” – Wir schauen auf euer Geld!

Wir freuen uns sehr, dass unser neues Format „Rate my Portfolio“ SO gut bei euch angekommen ist, die Resonanz war überwältigend! 

Deshalb geht es heute direkt weiter: Wir schauen wieder gemeinsam auf echte Finanzsituationen aus der Community, analysieren Einnahmen, Ausgaben und Vermögensstrukturen und geben euch Einblicke und Denkanstöße, die ihr für eure eigene Finanzplanung nutzen könnt, natürlich alles anonym. 

Und jetzt Vorhang auf für den Star unserer heutigen Ausgabe: Annemarie 😊 

Annemaries Vermögenssituation: sehr solide Basis mit hoher Liquidität 

Annemarie ist 65 Jahre alt, geschieden, im Ruhestand und wohnt alleine in einer Großstadt. Ihre beiden Kinder sind bereits erwachsen. Sie verfügt über ein Gesamtvermögen von rund 600.000 €, das sich breit verteilt. Ein großer Teil liegt in sehr liquiden Mitteln: 

  • gut 200.000 € auf dem Tagesgeldkonto 
  • 100.000 € auf dem Festgeldkonto 
  • 1.600 € auf dem Girokonto 

Dazu kommen: 

  • ca. 245.000 € in zwei ETF-Investments 
  • rund 50.000 € in Edelmetallen 

Auffällig ist vor allem der hohe Anteil an Cash bzw. sehr sicheren Anlagen. Diese hohe Cashquote ist nicht zwingend „falsch“ oder ineffizient, sondern kann gut zu Annemaries Lebensphase passen: Im Ruhestand steht häufig weniger der (langfristige) Vermögensaufbau im Vordergrund, sondern vielmehr Sicherheit, Flexibilität und Planbarkeit. 

Annemaries Ausgaben: bewusst strukturiert mit Fokus auf Lebensqualität 

Annemaries monatliche Ausgaben liegen bei rund 2.200 €, bei einem Einkommen von ca. 2.700 €, wodurch ein kleiner monatlicher Überschuss entsteht. 

Ihre Kostenstruktur wirkt sehr bewusst gesteuert: 

  • Miete: 658 € (vergleichsweise niedrig für eine Großstadt) 
  • Lebensmittel & Haushalt: 264 € 
  • Kleidung: 190 € 
  • Sport: 148 € 
  • Gesundheit & Körperpflege (inkl. Kosmetik, Arzt, Supplements): ca. 260 € 
  • Urlaub & Freizeit: ca. 150 € zusammen 
  • ETF-Sparplan: 300 € monatlich 

Annemarie investiert stark in ihre Lebensqualität: Körper, Gesundheit, Bewegung und persönliche Entwicklung nehmen einen großen Anteil ihres Budgets ein. 

Hier entsteht also nicht das Bild einer „strengen Sparerin“, sondern eher das einer Person, die sehr bewusst zwischen Sicherheit und Lebensgenuss ausbalanciert. Hierzu passt auch unser Blogbeitrag zum Buch Die 5 Arten von Reichtum, denn es gibt noch so viel mehr als finanziellen Reichtum. Annemarie scheint sich damit gut auszukennen, good for her! 

Liquidität – Sicherheit oder Gestaltungsspielraum? 

Annemaries hohe Liquiditätsquote kann unterschiedliche Gründe haben. Einerseits ist sie ein sehr starker Sicherheitsanker: jederzeit verfügbar, unabhängig von Marktschwankungen und gut geeignet für unvorhergesehene Ausgaben. 

Gleichzeitig gibt es noch eine zweite mögliche Interpretation: Annemarie könnte bewusst Flexibilität für größere finanzielle Entscheidungen behalten wollen – etwa für Reisen, Unterstützung der Familie oder auch gezielte Schenkungen zu Lebzeiten. Dieser Gedanke passt gut zu unserem früheren Blogbeitrag zum Buch Die With Zero. Dort wird die Idee aufgegriffen, Vermögen nicht ausschließlich am Lebensende zu vererben, sondern es bewusst in Lebensphasen zu verschenken, in denen es für die Empfangenden den größten emotionalen und praktischen Nutzen stiftet – sei es für Kinder, Enkel oder gemeinsame Erlebnisse. 

Eine hohe Liquidität kann somit auch Ausdruck von Gestaltungsfreiheit sein, nicht nur von Vorsicht. Wie es bei Annemarie ist, wissen wir nicht 😊 

Dennoch haben wir ein paar Impulse für Annemarie:  

  • Die europäische Einlagensicherung greift „nur“ bis 100.000 € pro Person und pro Bank. Annemarie tut also gut daran, ihr Giralgeld (=Geld auf Girokonto sowie Tages- & Festgeld) auf unterschiedliche Banken zu verteilen.  
  • 300.000 € direkt verfügbar, obwohl sie im Alltag kein Geld benötigt, erscheinen sehr hoch. Hier lohnt es sich, einen Teil des Geldes trotz des Liquiditätsbedürfnisses anderweitig zu verwenden: Die oben erwähnten Reisen oder Schenkungen, oder auch eine Erhöhung ihrer ETF-Investitionen. Vielleicht nicht alles in Aktien- ETFs, sondern eher in Anleihen- oder Geldmarkt-ETFs. Damit hat sie die Chance auf zumindest eine kleine Rendite und vermeidet zudem das Risiko, die Einlagensicherung zu überschreiten, denn Börseninvestitionen gelten als Sondervermögen und sind somit bei einer möglichen Bankenpleite geschützt.  

Einordnung für Leserinnen unterschiedlicher Altersgruppen 

An dieser Stelle ist eine Differenzierung wichtig: Für Menschen in Annemaries Lebensphase kann eine höhere Cashquote durchaus sinnvoll sein, für jüngere Anlegerinnen gilt jedoch etwas anderes. Für sie ist es in der Regel entscheidend, frühzeitig zu investieren, Vermögen breit und langfristig am Kapitalmarkt arbeiten zu lassen und nicht zu viel Kapital dauerhaft unproduktiv auf Tagesgeldkonten zu parken. Eine sehr hohe Cashquote, wie sie in der Ruhestandsphase sinnvoll sein kann, ist im Vermögensaufbau ein Renditehemmnis. 

Gesamtbild: stabil, sicherheitsorientiert und lebensnah 

Insgesamt zeigt Annemarie ein sehr stabiles und gut strukturiertes Finanzverhalten. Sie hat: 

  • eine hohe Vermögensbasis 
  • laufende positive Cashflows 
  • eine klare Priorisierung von Sicherheit 
  • gleichzeitig aber auch eine aktive Investition in Lebensqualität 

Der größte Hebel liegt weniger in der Ausgabenkontrolle, sondern eher in der bewussten Strukturierung der sehr hohen Liquiditätsreserven, immer unter Berücksichtigung ihrer persönlichen Risikoneigung und Lebensplanung. 

Annemaries Beispiel zeigt sehr schön, dass finanzielle „Optimierung“ immer kontextabhängig ist. Was in der Ruhestandsphase sinnvoll sein kann – viel Sicherheit, viel Liquidität und Flexibilität – ist im Vermögensaufbau oft genau das Gegenteil dessen, was langfristig Vermögen entstehen lässt. Oder anders gesagt: Nicht jede gute Finanzentscheidung sieht in jeder Lebensphase gleich aus. 

Ihr seid dran! 

Ihr könnt uns weiterhin eure Excel-Listen schicken, wir schauen gemeinsam drauf und ordnen ein, was gut funktioniert und wo spannende Stellschrauben liegen könnten. (Wer kein Excel-Fan ist, kann uns die Zahlen auch gerne per Mail oder in anderer Form schicken – wir sind flexibel.) 

Stay tuned – vielleicht schauen wir bald schon auf dein Portfolio! 

 
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