How She Did It: Theresia Ludwig

In der Kategorie How She Did It unterhalte ich mich mit ganz normalen Frauen, die ihre Finanzen in die eigenen Hände genommen haben. Heute stelle ich dir Theresia vor, die als Alleinverdienerin ihre 4köpfige Familie aus den Schulden geholt hat. Schau, hör oder lies das Interview hier!

Das Video (auf YouTube) kannst du dir hier anschauen:

https://youtu.be/EtaNQN8-km0

Und falls du lieber lesen möchtest, kommt hier das Interview als Text:

Hallo ihr Lieben,

ich heiße Theresia Ludwig und lebe mit meinem Partner und meinen beiden Kindern in Berlin. Ich mache inzwischen schon für mehrere Menschen Videos, die mich auf meinem finanziellen Weg wirklich krass weitergebracht haben. Einmal als Dankeschön, um zu sagen: Hey, ihr habt mich so unterstützt, das ist wirklich – ich bin so dankbar dafür! Und andererseits auch, um anderen Leuten zu zeigen: Du kannst es schaffen! Egal, wie weit unten du dich gerade fühlst: Auch du kannst es schaffen!

Dieses Video ist für Claudia Müller und es ist ein ganz besonderes Video, denn Claudia war die Erste – die Erste, die mich wirklich aus einer sehr schwierigen Situation motiviert hat und gesagt hat: Du kannst es trotzdem schaffen. Sie war die Erste und ich bin dafür so dankbar!

Was war deine Ausgangslage und was hast du erreicht?

2020 war für sehr viele Menschen ein besonders herausforderndes Jahr, besonders finanziell. Für mich war es der absolute Boom: Ich habe 2020 mit Schulden begonnen. Ich weiß gar nicht mehr genau, ich glaube es waren 1.200 bis 1.500 € Schulden – und zum Jahresende habe ich es auf über 11.000 € geschafft. Und ich muss dazu sagen: Ich war in einem Job mit nur 25 Stunden als Assistentin. Da verdienst du jetzt auch nicht so gut. Ich habe zwei kleine Kinder und mein Partner war eben gerade auch in einer Situation, in der er kein Geld bekommt. Ich war also Alleinverdienerin.

Was war der ausschlaggebende Moment?

Was war der ausschlaggebende Moment, also der Tritt in den Hintern, der Auslöser? Da gehe ich noch ein kleines Stück weiter zurück: Sommer 2019.

Ich war gerade am Ende meiner Elternzeit, beide Kinder sind schon in eine Betreuung gegangen und ich war dabei, mir wieder einen neuen Job zu suchen. Ich war also noch beim Jobcenter. Es war wirklich eine Herausforderung, einen Job zu finden, weil als Mama mit zwei kleinen Kindern bist du auf dem Arbeitsmarkt anscheinend nicht so beliebt. Ich konnte in meinem Leben an sich recht gut mit Geld umgehen. Ich war nie viel Geld gewohnt, ich komme auch aus einem armen Haushalt, aber ich konnte ganz gut mit wenig Geld haushalten. Es waren natürlich nie Urlaube oder irgendwelche großen Sprünge drin, die brauchte ich aber auch nicht. Ich bin mit relativ wenig klargekommen und hatte meine Finanzen an sich so immer ganz gut im Blick. Ich gehöre auch zu den Leuten, die sagen: Ja, mit Hartz4 kann man gut überleben. Größere Anschaffungen sind halt nicht drin, zumindest nicht zu einem Neupreis, aber okay. Ich komme klar damit.

Im Sommer 2019 ist plötzlich etwas passiert. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich in diese Situation gekommen bin, auf jeden Fall waren zehn Tage vor Monatsende nur noch 60 € auf meinem Konto; nur noch 60 €. Ich weiß nicht mehr genau, wie das sein konnte. Ich weiß, ich hatte jemandem etwas Geld geliehen, und dann kamen aber verschiedene Unternehmen und Versicherungen, die plötzlich Geld einzogen per Lastschrift. Ich gucke auf mein Konto und denke: Was ist denn da los? Oh, die Jahresversicherung, die habe ich ja voll vergessen. Die letzte Kreditrückzahlung, die habe ich ja auch vergessen. Es kamen also von außen verschiedene Geldeinzüge von meinem Konto, und plötzlich hatte ich nur noch 60 € und ich wusste: Ich hab noch zehn Tage bis Monatsende, bis das nächste Geld kommt. Was mach ich denn jetzt?

Und ich hatte keine Kontrolle mehr darüber: Kommen jetzt vielleicht noch andere Ausgaben, noch irgendwelche anderen Unternehmen, die Geld von meinem Konto einziehen? Ich war völlig fertig, ich hatte das Gefühl, es ist alles aus dem Ruder gelaufen. Ich habe meine Finanzen nicht mehr im Griff, irgendwie kommen ständig Leute und wollen Geld von mir haben, und ich sitze ohne Geld da und ich habe zwei kleine Kinder und ich kann kein Essen mehr kaufen. Es hat mich so fertig gemacht und ich habe mich selbst so fertig gemacht oder so beschuldigt: Wieso hast du deine Finanzen nicht im Griff?

Wie kann es sein, dass du plötzlich nicht mal zum Monatsende, sondern noch weiter davor kein Geld mehr hast und nicht mal mehr Essen für deine Kinder kaufen kannst? Das kann doch nicht sein, das muss sich ändern!

Jetzt war aber die Herausforderung: Immer, wenn ich an das Thema Finanzen denke, sehe ich immer ein Mann im Anzug vor mir, vielleicht noch mit Krawatte. Ich habe zu solchen Menschen, oder hatte damals zu solchen Menschen überhaupt keinen Bezug. Erstens: Anzugträger – ich bin Sozialarbeiterin, mit Anzugträgern habe ich überhaupt nichts zu tun. Zweitens: sind halt alles Männer. Männer, die es sich leisten können, Vollzeit arbeiten zu gehen. Männer, die sich so gut verkaufen können, dass sie halt immer eine tolle Position bekommen, wo sie richtig gut bezahlt werden. Männer, für die anscheinend Geld und Zahlen total easy sind, die einfach checken, wie es geht, und dann machen sie es.

Und ich als Frau, als Mama mit zwei kleinen Kindern, die jetzt auch nicht Vollzeit arbeiten kann, einmal weil die Betreuungszeiten meiner Kinder gar nicht so lange gehen, zweitens weil ich in Berlin lebe wo ein Kita-Platz-Mangel vorherrscht und meine Kinder in zwei verschiedene Betreuungseinrichtungen gehen. Das heißt, ich brauche teilweise zwei Stunden, um sie abzuholen oder in die Kita zu bringen. Wie soll ich dann bitteschön Vollzeit arbeiten? Und drittens, ja, ich will halt auch ein bisschen Zeit für meine Familie haben, zumindest wenn die Kinder noch klein sind und noch viel Pflege brauchen. Weil sie halt noch nicht so viel alleine können. Von diesen Finanzmännern habe ich mich immer abgeschreckt gefühlt.

Was war die wichtigste Handlung, die dich vorangebracht hat?

Also nach diesem Katastrophenmonat Juli 2019 habe ich dann erfreulicherweise bald einen Job gefunden, eben eine 25-Stunden Stelle. Ich hab mich da erstmal eingearbeitet und hatte aber immer noch im Hinterkopf: Das will ich nie wieder, nie wieder! Ich brauche irgendwie Infos, wie ich meine Finanzen in den Griff bekomme. Ich habe so stark daran gedacht, mein Wille war so stark: Ich muss etwas verändern. Und dann passierte etwas – ich glaube ja nicht an Zufälle. Dann kam eine Rundmail von meinem Arbeitgeber: Für alle weiblichen Mitarbeiterinnen haben wir einen Workshoptag organisiert! Claudia Müller erklärt Frauen Finanzen! Sie macht finanzielle Bildung mit Frauen, und die haben wir eingeladen für euch. Wer will, meldet euch an.

Und ich dachte: Yes! Das ist genau das, was ich brauche. Das ist genau das, worauf ich gewartet habe: Eine Frau, die mir als Frau, also speziell von Frau zu Frau, erklärt: Wie funktionieren Finanzen. Das brauchte ich, und ich habe sofort hier geschrien, ich habe mich sofort eingeschrieben. Das war wirklich das Beste, was ich hätte tun können, denn durch diesen Workshoptag bin ich nicht nur an Claudia und an Finanzwissen herangekommen. Ich bin auch zu ihrem Female Finance Forum gekommen und ihrem Newsletter. Ich weiß gar nicht mehr, in welchen abständen er immer geschickt wird, aber durch diesen Newsletter bin ich dann auf weitere Finanzangebote von Frauen für Frauen gestoßen. Zum Beispiel hat Claudia in einem Finanzkongress von Frauen für Frauen gesprochen. Und für diesen Finanzkongress habe ich mich natürlich auch angemeldet, und da gab es dann plötzlich, ich glaube fast 60 Frauen, die es finanziell irgendwie gerafft haben und die anderen Frauen erklären, wie Finanzen funktionieren und wie sie es finanziell geschafft haben. Und jede interessanterweise für eine andere Nische! Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten, ich sag mal, Geld anzuhäufen und dann auch zu investieren. Das war mir vorher nicht klar, weil: Ich kannte keine einzige erfolgreiche Frau!

Was waren deine wichtigsten Erkenntnisse?

Meine wichtigste Erkenntnis war, dass das Prinzip des Vermögensaufbaus an sich sehr simpel ist. Ich sage nicht, dass es einfach ist, aber in der Theorie ist es recht simpel. Es sind im Prinzip drei Schritte:

Erstens: Werd dir bewusst über deine Ausgaben und Einnahmen und gib weniger aus. Nimm mehr ein. Und das, was die Differenz davon, die investierst du. Das heißt, die gibst du irgendwo hin, wo es mehr Geld wird.

Meine zweite Erkenntnis war: Du kannst es schaffen, auch du! Ich erinnere mich noch ganz genau: Ich saß in diesem Workshop mit Claudia Müller, etwa 30 andere Mitarbeiterinnen von meinem Unternehmen. Ich war diejenige mit den wenigsten Stunden, würde ich behaupten, und auch mit der geringsten Bezahlung. Ich wusste überhaupt nicht, wie ich aus meiner misslichen finanziellen Lage herauskommen soll. Ich habe fast geheult und ich saß da:

Claudia, ich bin alleinverdienend mit zwei kleinen Kindern, ich verdiene jetzt nicht so viel, wie kann ich das schaffen?

Und Claudia hat gesagt: Für dich sind die folgenden Schritte notwendig:

Erstens: Du musst deine Schulden abbezahlen.

Zweitens: Du sparst dir auf einem Tagesgeldkonto einen Notfallfonds an, einen Notgroschen. Der sollte etwa drei bis sechs Monate Geld betragen, was du sonst ausgibst. Da ich ja geringe Lebenshaltungskosten hatte, musste er also auch nicht so groß sein. Es war trotzdem eine erschreckende Summe für mich. Oh mein Gott! Und sie meinte: Das ziehst du durch. Erst die Schulden abbezahlen, dann fängst du an, dir einen Notgroschen anzusparen. Und wenn du bei ungefähr 60 % dieser Summe bist, dann kannst du anfangen mit investieren. Nicht vorher.

Und ich habe es durchgezogen.

Welche Tipps gibst du anderen Frauen?

Erstens: Eigne dir finanzielles Wissen an. Durch Internet, Blogs, Bücher, egal – eigne dir Wissen an, aber setze es auch um! Denn nur Wissen aneignen bringt dir nichts. Ist ja schön, wenn du es im Kopf hast, aber du musst es auch umsetzen, in die Tat bringen.

Zweiter Tipp: Vernetze dich mit Frauen, die ein ähnliches Ziel haben wie du, die auch auf dem gleichen finanziellen Weg sind. Und das ist egal, ob du dich vor Ort mit jemandem vernetzt oder digital, über social media zum Beispiel. Es hilft, wenn du das Gefühl hast, nicht allein zu sein und es gibt auch andere, die das interessiert. Dann könnt ihr euch nämlich wechselseitig unterstützen und wechselseitig pushen: Wow, das hast du so gut gemacht, toll!

Drittens: Lass dich nicht aufhalten von Menschen, denen finanzielles Vorankommen nicht wichtig ist oder die nur neidisch auf dich gucken, aber selbst nicht umsetzen.

Der nächste Tipp: Arbeite an deinem Mindset. Ja, überall wird jetzt über dieses Thema Mindset gesprochen, aber ganz ehrlich: Ich habe bei mir gemerkt, ich habe so krasse innere Blockaden zum Thema Geld, zum Thema Geldverdienen, Reichtum, Luxus. Es blockiert mich und darum kommt es irgendwie, dass ich mich im Job oft unter Wert verkaufe, und ich habe gemerkt: das ist wirklich mein Thema, daran muss ich arbeiten. Darum habe ich dann entschlossen, nach dem November 2020: Jetzt muss ich erst mal in mich selbst investieren, ich muss erstmal meine Blockaden lösen, damit ich weiter vorankommen kann.

Und ein weiterer Tipp, der nicht vergessen werden sollte: Mach Dinge mit Spaß, aber nicht zum Spaß. Fokussiere dich: Was willst du erreichen, setz dir Ziele, und dann mach es mit Spaß und mit einem Gefühl oder eine Haltung von Dankbarkeit.

Jetzt gerade mache ich mich nebenbei selbstständig, ich schreibe Bücher, ich lerne verschiedene Marketing-Formen kennen. Als Sozialarbeiterin habe ich wirklich keinen Plan von Marketing oder irgendwie verkaufen; brauchte ich auch nie. Ich erarbeite gerade ein Coaching-Programm, um andere Menschen weiter zu bringen in ihrem Leben. Da stehe ich aber gerade noch am Anfang.

Aber mein erstes Finanzziel ist es, mit meiner Selbstständigkeit aus der Sozialhilfe rauszukommen. Ich war gefühlt mein ganzes Leben in der Sozialhilfe, bin ich auch immer noch, ich muss immer noch mit verschiedenen Geldern aufstocken was mich ziemlich nervt. weil wer schon mal in der Sozialhilfe war, weiß, was das manchmal für fette Anträge sind, und wenn du mehrere solcher Gelder beantragen musst, ist das echt ein super krasser Aufwand.

Ihr Lieben, ich wünsche euch super viel Erfolg auf eurem finanziellen Vorankommen, und lasst doch gern mal ein Hallo da! Tschüß!

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