Nachhaltigkeit als Kriterium bei der Kontowahl?

Letzte Woche habe ich euch vier Kriterien vorgestellt, die ihr bei der Wahl eurer Bank und eures Kontos beachten solltet:

  • Service
  • Kosten
  • Zinsen
  • Nachhaltigkeit

Daraufhin bekam ich die Frage einer Leserin, was denn Nachhaltigkeit mit ihrem Bankkonto zu tun hätte. Mein Lieblingsthema, dem ich heute gerne einen Beitrag widme!

Für viele von uns spielt Nachhaltigkeit inzwischen eine alltägliche Rolle. Bio-Produkte, Fair Trade-Kaffee und Carsharing-Angebote sind weit verbreitet und zeigen, dass Nachhaltigkeit in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Der Gedanke, dass wir auch durch die Wahl unserer Bank und durch unser Investitionsverhalten für Nachhaltigkeit einstehen können, ist dabei vielen Menschen (noch) fremd.

“Normale” Banken

Dabei spielt die Wahl meiner Bank eine große Rolle. Wenn ich mein Geld bei einer Bank liegen habe, beispielsweise auf einem normalen Giro- oder Tagesgeldkonto, kann die Bank damit machen, was sie möchte. Herkömmliche Banken investieren ihr Geld in alles, was profitabel ist. Das können neue Windkrafträder sein, das können aber auch Rüstungsindustrie oder Kohlekraftwerke sein.

Deutsche Finanzinstitute sind besonders stark in Rüstungsindustrie und “traditionelle” Energieträger investiert – also Atomenergie und Kohlekraftwerke.

Hinzu kommt die mangelnde Transparenz der herkömmlichen Bankhäuser, deren Tochtergesellschaften in Steueroasen beheimatet sind. An diesen Schlupflöchern können sie zweifelhafte spekulative Geschäfte betreiben und undurchsichtige Fonds auflegen.

Nachhaltige Banken

Nachhaltige Banken – auch grüne Banken oder Ethikbanken genannt – verzichten dagegen auf kontroverse Investitionen, sondern investieren ihr Geld explizit in die Förderung nachhaltiger Projekte. Sie folgen strengen ökologischen und sozialen Kriterien und fordern diese auch von ihren Kundinnen und Kooperationspartnern ein. Sie investieren zum Beispiel nicht in Rüstungsindustrie, Atomkraft oder in Unternehmen, die Kinderarbeit zulassen.

Zudem spielt Transparenz eine große Rolle. Nachhaltige Banken legen offen, in welche Unternehmen sie investieren und mit welchen Partnern sie kooperieren. Sie lassen sich von externen, unabhängigen Stellen zertifizieren und garantieren somit, dass sie und ihre Partner die hohen Standards erfüllen.

Welche Rolle spielt das?

Der Bankwechsel ist einfach und mit wenigen Klicks erledigt. Dazu schreibe ich im nächsten Blogeintrag mehr. Die Frage ist jedoch: Bringt das eigentlich was?

Den größten Einfluss haben wir durch unsere Kaufentscheidungen. Einer Fluglinie tut es stärker weh, wenn wir alle auf Flugreisen verzichten, als wenn wir alle zu einer nachhaltigen Bank wechseln.

Der Bankwechsel ist jedoch ein kleiner Schritt, den wir nur einmalig tun müssen und der dann langfristig wirkt. Auf Flugreisen zu verzichten, schmerzt uns bei jeder Urlaubsplanung; der Kontowechsel ist dagegen ein deutlich geringerer Aufwand.

Letzte Woche hatte ich bereits geschrieben, dass wir für jeden zusätzlichen Service, den unsere Bank bereitstellt, höhere Kosten akzeptieren müssen. So ist es auch bei der Nachhaltigkeit: Nachhaltige Banken haben im Schnitt etwas höhere Kosten als herkömmliche Banken. Wie bei den anderen Kriterien musst du dir also überlegen, ob du bereit bist, für die Nachhaltigkeit Kontoführungsgebühren zu zahlen. Die Konditionen nachhaltiger Banken kannst du über Vergleichsportale anschauen.

One Reply to “Nachhaltigkeit als Kriterium bei der Kontowahl?”

  1. Christel Hoffmann

    Danke, Claudia! Das ist sehr interessant. Ich denke schon, dass es etwas bewegen würde, wenn viele die Bank unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit wechseln. – Ja, was spricht gegen die Änderung? Unsere Trägheit oder – um mit Richard Thaler zusprechen – unsere “Änderungs-Aversion”.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.