5 Jahre Unterschied, was macht das schon?

Heute möchte ich euch eine Leserinnenfrage beantworten. Du hast auch eine Frage? Her damit! Schreib mir einfach an claudia@femalefinanceforum.de. Außerdem gibt es unsere Facebook-Gruppe, in der du deine Fragen stellen und von der Schwarmintelligenz der vielen tollen Frauen profitieren kannst.

Die Frage dieser Leserin lautet:

Was bedeutet die höhere Lebenserwartung von Frauen konkret für unsere Finanzen? Was sollten wir beachten?

Heute in Deutschland geborene Frauen werden durchschnittlich 83,2 Jahre alt. Männer werden hierzulande hingegen im Schnitt 78,4 Jahre alt. (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Der Unterschied beträgt also knapp fünf Jahre. Das klingt eigentlich nach ziemlich wenig, oder? Fünf Jahre bei einer Lebenserwartung von ca. 80 Jahren, was macht das schon?

In Bezug auf unsere Finanzen gibt es verschiedene Aspekte, die wir beachten sollten:

  1. Einsamer Lebensabend

Es klingt hart, aber statistisch gesehen wirst du die letzten Jahres deines Lebens ohne deinen Partner verbringen. Zu den fünf Jahren Unterschied in der Lebenserwartung kommt hinzu, dass in Beziehungen häufig der Mann älter ist als die Frau. Nicht viel, aber durchschnittlich 2,5 Jahre (Quelle: Statistisches Bundesamt). Rein statistisch wirst du also die letzten 7,5 Jahre deines Lebens alleine für dich verantwortlich sein – und damit auch für deine Finanzen. Alles abzugeben ist allein also keine gute Idee.

2. Höhe der privaten Vorsorge

Auf die gesetzliche Rente alleine solltest du dich nicht verlassen, denn: “‘Mehr als 70 Prozent der Frauen und gut 37 Prozent der Männer, die 2017 in Bayern in Rente gingen, liegen mit einer gesetzlichen Altersrente von weniger als 900 Euro deutlich unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle von aktuell 1074 Euro'”, so der Deutsche Gewerkschaftsbund in der Süddeutschen Zeitung.

Deine Rentenlücke – die Lücke zwischen dem, was du voraussichtlich von der Deutschen Rentenversicherung bekommen wirst und dem, was du brauchst oder möchtest – kannst du online berechnen (z.B. hier, hier oder hier). Besonders leicht zu berechnen ist die Lücke mit diesem Rechner des Deutschen Instituts für Altersvorsorge. Er vereinfacht stark, ist dafür aber sehr intuitiv zu bedienen.

Nehmen wir mal an, du möchtest deine Rente privat um 500€ monatlich aufbessern. Bei den zu erwartenden Rentenlücken ist das nicht zu hoch gegriffen. Diese 500€ monatlich addieren sich über fünf Jahre auf 30.000€! Du musst also 30.000€ mehr auf der hohen Kante haben, um denselben Lebensstandard halten zu können wie ein Mann. Und das mit einem durchschnittlich niedrigeren Gehalt.

Dies gilt, wenn du diese private Vorsorge komplett aus deinem Erspartem finanzierst. Wenn du in eine private Rentenvorsorge einzahlst oder investierst, sind die Zahlen anders. Dennoch wird in der Versicherungsbranche nicht umsonst vom “Langlebigkeitsrisiko” gesprochen – und das ist bei Frauen höher als bei Männern.

3. Investitionsverhalten

Auch unser Investitionsverhalten sollte von unserer Lebenserwartung abhängen, ebenso wie von unserer Lebenssituation und Lebensplanung. Für die meisten Anlageklassen gibt es einen (Mindest-)Zeithorizont – also die Zeit, die du mindestens investiert bleiben solltest, bevor du verkaufst.

Als Frau hast du einen längeren Investitionshorizont. Damit hast du auch in höherem Alter mehr Optionen, zu investieren. Und vor allem hat dein Vermögen länger Zeit, zu wachsen – dank Zinseszins lohnt sich das richtig! Wenn du z.B. 5.000€ bei 5% jährlichen Zinsen investierst, haben sich diese 5.000€ nach 30 Jahren auf 21.610€ vermehrt. Nach 35 Jahren hat sich derselbe Betrag auf 27.580€ vermehrt! Einfach dadurch, dass du fünf Jahr länger gewartet hast. Daher ist es so entscheidend, früh anzufangen. Ein klarer Fall von “Zeit ist Geld“! 😉

Fazit: Es gibt einige Finanzaspekte, auf die sich unsere Langlebigkeit auswirkt. Daneben haben wir aber mehr Zeit, das Leben zu feiern! 🙂

2 Replies to “5 Jahre Unterschied, was macht das schon?”

  1. Christel Hoffmann

    Wunderbar, wie klar du das dargelegt hast. Danke!
    Oft genug habe ich den Eindruck, dass wir Frauen doch immer noch einem rosa Traum leben, wobei der Prinz aus dem Märchen – sei es nun der von Aschenputtel oder Schneewittchen oder einem anderen – uns aus aller Not erlöst. Ist das eine frühe Gender-Prägung durch das Märchenerzählen der Mütter und Großmütter?

  2. Ute Müller

    Liebe Claudia!
    Wie war Du sprichst! Durch die häufigen Ehetrennungen ist die Zeit des Alleinseins und damit für-sich-selber-verantwortlich-seins natürlich noch länger.
    Eine kritische Frage: wo bekomme ich 5 % für mein Spargeld? Alles Gute Ute

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