No Risk, No Fun?

„Wenn ich in Aktien investiere, besteht das Risiko, dass ich alles verliere. Das ist mir zu unsicher. Dann lasse ich es mein Geld lieber auf dem Konto liegen, da weiß ich, was ich habe, und zumindest mache ich keine Verluste.“

Diese Gedankenkette höre ich immer wieder. Geht es dir auch so?

Lass uns heute mal genauer anschauen, welche Gedanken und Gefühle hinter der Aussage stecken.

„Wenn ich in Aktien investiere, besteht das Risiko, dass ich alles verliere.“ – Das stimmt. Genauso wie diese Aussage stimmt: „Wenn ich aus dem Haus gehe, besteht das Risiko, dass ich von einem Auto überfahren werde.“ Oder auch: „Wenn ich mit einem Flugzeug fliege, besteht das Risiko, dass es abstürzt.“

Dennoch steigen täglich Millionen Menschen in Autos oder Flugzeuge, um sich fortzubewegen. Woran liegt das?

  • Das Risiko – die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unfall passiert – ist bekannt und relativ gering. Daher können wir es einschätzen und sind bereit, es einzugehen.
  • Der Gewinn – die bequemere und schnellere Ankunft an Orten, die wir ohne diese Fortbewegungsmittel vermutlich nie erreichen würden – ist offensichtlich und überwiegt.

Wir unterscheiden also zwischen

  • Dem Verlust, den wir im Fall eines Unfalls erleiden;
  • der Wahrscheinlichkeit, dass solch ein Unfall eintritt;
  • dem Gewinn, der auf der anderen Seite steht.

Im Fall einer Flugreise heißt das:

  • Wenn ein Unfall passiert, ist das verdammt schlecht. Einen Flugzeugabsturz möchten wir lieber nicht miterleben.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Flugzeug abstürzt, ist sehr gering. Es gibt lediglich einen schweren Flugzeugabsturz pro 3,1 Millionen Flüge.[i]
  • Die spannenden neuen Länder, die uns am Ende der Flugreise erwarten, oder auch die Geschwindigkeit der Reise, sind uns das (geringe) Risiko wert. Das Gegenteil – zu Hause bleiben und nur zu Fuß unterwegs sein – ist offensichtlich weniger attraktiv als das niedrige Risiko.

Auch bei Investitionen an der Börse gibt es Risiken, Wahrscheinlichkeiten und Gewinne. In Deutschland investieren lediglich 14% der Menschen an der Börse. Woran liegt das?

  1. Das Risiko ist unbekannt und wird daher als Hoch eingeschätzt. Ja, man kann an der Börse alles verlieren – genauso, wie man in einen tödlichen Flugzeugunfall verwickelt sein kann. Wie hoch ist jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass das passiert?
  2. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir an der Börse Verluste machen, ist bei einem langen Zeithorizont und breit gestreuten Investitionen sehr gering. Seit 1965 hat es noch keinen einzigen 20-Jahres-Zeitraum mit einem Verlust für ein Portfolio aus DAX-Aktien gegeben[ii].
  3. Der Gewinn ist gefühlt nicht so hoch wie der Verlust durch Nichtstun. Leider zeigt sich hier, dass wir uns nicht immer auf unser Gefühl verlassen sollten. Denn durch Nichtstun ist unser Geld nicht sicher, sondern verringert sich stetig aufgrund von Inflation. Dagegen ist der mögliche Gewinn – eine höhere Rendite – umso erstrebenswerter.

Ich sage nicht, dass du blind loslaufen und in Aktien investieren solltest. Es ist wichtig, dass du sowohl das Risiko kennst, als auch die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Risiko eintritt. Hier gilt wie immer: Bildung ist der Schlüssel. Historisch gesehen sind Investitionen in breit gestreute Aktienfonds weniger riskant, als viele Menschen glauben. Und wenn du dir dann auch noch die positiven Effekte vor Augen führst, wächst vielleicht die Motivation, dich weiter in dieses Thema einzulesen.

 

[i] www.flugangstlos.de

[ii] Deutsches Aktieninstitut

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