Gute Schulden, schlechte Schulden

Schulden sind weit verbreitet in Deutschland. 2013 lag die durchschnittliche Verschuldung von privaten Haushalten in Deutschland bei 27.100€¹. Davon belief sich der größte Teil auf Immobilienhypotheken. Aber auch Ausbildungs- und Konsumentenkreditschulden gehören dazu. Interessant finde ich: Die Ausbildungsschulden lagen im Durchschnitt bei 500€, die Konsumentenschulden bei 1800€ pro Haushalt.

Warum unterscheiden wir diese verschiedenen Schuldenarten? Sind nicht Schulden alle gleich, und eigentlich alle schlecht?

Jein.

Ja, Schulden können ein Hemmnis sein. Sie können uns zum einen bremsen, weil wir im Alltag weniger Geld zur Verfügung haben, einfach durch die Rückzahlung des Kredits plus Zinsen. Eine Bank ist normalerweise ziemlich unerbittlich, wenn es um die Tilgung ihres Kredits geht. Außerdem wirken Schulden psychologisch als Bremse: Kannst du es dir leisten, deinen Job zu kündigen, wenn du weißt, dass du monatlich deinen Kredit abbezahlen musst? Dieses Wissen, einen Kredit zurückzahlen zu müssen, bremst uns stark in unseren Träumen und Visionen.

Gute Schulden?

Gleichzeitig können Schulden auch wie ein Katapult wirken, mit dessen Hilfe du das nächste Level erreichst. Das ist die positive Seite von Schulden.

Ausbildungsschulden

Wenn du z.B. BAföG beziehst oder einen Studienkredit aufnimmst, um dir ein Studium zu finanzieren, kann dies eine Hebelwirkung haben: Das Geld ermöglicht dir die Ausbildung, dank der du später ein höheres Gehalt erzielen kannst.

Hypothekenschulden

Ähnlich funktionieren Hypothekenschulden: Du nimmst jetzt einen Kredit auf, um in der Zukunft deine Einkünfte z.B. durch Vermietung zu erhöhen. Ohne einen Kredit sind nur wenigen Menschen in der Lage, eine Immobilie zu finanzieren; ein Kredit schafft diese Möglichkeit.

Diese Schulden sind nicht zwangsläufig gute Investitionen. Wenn du eine Immobilie überteuert kaufst oder sie anschließend an Wert verliert, oder wenn du keinen Job findest, der deiner Ausbildung entspricht, dann hättest du rein finanziell möglicherweise eine andere, bessere Investition tätigen können. Dennoch haben diese Investitionen das Potenzial, dein zukünftiges Einkommen zu erhöhen.

Schlechte Schulden!

Schulden, die dein Einkommen nicht vermehren, solltest du möglichst vermeiden. Sie reduzieren dein frei verfügbares Vermögen und wirken zudem wie eine psychologische Bremse.

Konsumschulden

Unter Konsumschulden fallen alle Kredite, die du nur konsumierst, anstatt sie zu investieren. Das kann der neue Fernseher sein, den du in Raten bezahlst, genauso wie das Handy oder dein Auto. Diese Dinge verlieren konstant an Wert, ohne dein Einkommen zu erhöhen. Von Konsumschulden solltest du möglichst die Finger lassen.
Bevor du Schulden aufnimmst, solltest du dir also folgende Frage stellen: Hilft mir dieses Geld, mein zukünftiges Einkommen zu vermehren? Wenn deine Antwort “Ja” ist, dann kann es sich lohnen, diesen Kredit aufzunehmen. Wenn deine Antwort “Nein” ist, dann solltest du sehr stark hinterfragen, ob du dir diesen Hemmschuh anziehen möchtest.

 

¹Quelle: Statistisches Bundesamt.

2 Replies to “Gute Schulden, schlechte Schulden”

  1. Christel Hoffmann

    Wunderbar, dass du das so gut erklärst. Tatsächlich sind Schulden, sofern sie eine gut überlegte Investition für die Zukunft sind, eine gute Sache. Alle Schulden, die rein dem Konsum dienen, z.B. perfekte Einrichtung anlässlich der Hochzeit – oder noch schlimmer: um das Fest zu finanzieren!- bis hin zum Urlaub auf Pump, der zu meinem Ärger immer wieder von verschiedenen Banken angeboten wird, das alles sind schlechte Schulden, die einem die Hände binden.

  2. Ute Müller

    Ja, vor Konsumschulden muss man sich sehr hüten. Vor allem ein privates Auto war schon manches Mal geschrotet bevor es bezahlt war.

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