Sprache, bitte!

Heute geht es um ein Thema, das auf den ersten Blick gar nichts mit Finanzen zu tun hat. Es hat aber mit Macht und dem Status Quo zu tun. Und da in unserer Gesellschaft bekanntlich gilt, “Macht ist Geld”, hat es also auch mit Geld zu tun.

Es geht heute um Sprache und die Frage, wie Sprache unsere Gedanken und Wahrnehmung prägt.

Vor einiger Zeit konnten wir in den Medien von einer Sparkassen-Kundin lesen, die sich von der allgemeinen Anrede “Kunde” oder “Kontoinhaber” nicht angesprochen fühlte. Das Gericht war der Meinung, dass durch die generische (maskuline) Anrede keine Benachteiligung für Frauen entstehe. Außerdem werde ja schon seit 2000 Jahren die männliche Anrede für alle Geschlechter benutzt. Frauen seien in der männlichen Anrede mitgemeint.

Klarer Fall von “Haben wir doch schon immer so gemacht”.

Warum ist es mir (und vielen anderen Menschen) so wichtig, dass auch die weibliche Version genannt wird?

Es gibt Studien, die klar belegen, dass Sprache beeinflusst, wie wir unsere Umgebung wahrnehmen. Völker, die Richtungen in Himmelsrichtungen angeben, haben einen deutlich besseren Orientierungssinn als Völker, die links und rechts sagen (z.B. an der Kreuzung biegst du nach Nordnordwest ab. Das würde bei uns niemand verstehen – wir biegen links oder rechts ab). Ebenso gibt es unterschiedliche Ausdrücke und Unterscheidungen für Farben, wodurch die Fähigkeit, Farben zu unterscheiden, stärker oder schwächer ausgeprägt ist.

Ich habe letztens eine schöne Anekdote gehört, die ich gerne erzählen möchte:

Treffen sich zwei Chirurgen in einer Bar.
Chirurg 1: „Und, wie geht’s dir?“
Chirurg 2: „Puh, anstrengender Tag. Jetzt will ich erstmal ein Bier. Trinkst du mit?“
Chirurg 1: „Geht nicht, ich bin schwanger.“

Warst du überrascht? Wenn wir von der Gruppe der Chirurgen reden, entsteht bei den meisten Menschen ein Bild von männlichen Ärzten im Kopf.

Dieses Beispiel zeigt: Mitgemeint ist nicht dasselbe wie gleichberechtigt mitgedacht. Über wen geredet wird, der ist sichtbar. Um wahrgenommen zu werden, müssen wir erwähnt werden. Unter den „Rettern von Thailand“, die bei der Rettung der zwölf Jungen aus der Höhle geholfen haben, waren übrigens auch Frauen, wusstest du das?

Ich werde daher von jetzt an weiterhin möglichst geschlechterneutral schreiben. Und wo das nicht möglich ist, werde ich immer die weibliche Form benutzen.

Liebe Männer, ihr seid natürlich immer mitgemeint.

9 Replies to “Sprache, bitte!”

  1. Antonia

    Liebe Claudia,
    danke für diesen Blogeintrag! Meine Kolleginnen und ich kämpfen täglich mit dem Sprachgebrauch, leider und vor allem auch durch unsere (meist männlichen) Vorgesetzten. Weiter so!
    Viele Grüße aus Bullerbü,
    Deine toni

    • Claudia, Female Finance Forum

      Liebe Toni,
      es freut mich, dass dir der Beitrag gefallen hat. Vielen Dank für deine Ermunterung 🙂
      Liebe Grüße,
      Claudia

  2. Gisela Bergenthal

    Ich bin ja schon ziemlich alt und mir kommen diese Formulierungen immer sehr umständlich vor, aber der Chirurgenwitz macht es ganz deutlich: wir denken alle mehr oder weniger in Schemata.
    Also werde ich mir doch mehr Mühe geben.

    • Claudia, Female Finance Forum

      Liebe Gisela,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Wie schön, dass du offenbar in jedem Alter noch Neues lernen und umdenken kannst 🙂
      Schön, dass du auf dieser Reise mit dabei bist!
      Viele Grüße,
      Claudia

    • Claudia, Female Finance Forum

      Haha,
      Valerie ist eine liebe Freundin von mir, die
      1.) unbedingt mal in meinen Newsletter wollte, und die
      2.) findet, dass durch das “Gendergedöns” unsere Sprache nicht schöner wird.
      Bei 2.) stimme ich ihr prinzipiell zu, finde aber, wie in diesem Blogeintrag beschrieben, dass es äußerst wichtig ist. Sie sieht das inzwischen auch ein, ich konnte sie überzeugen 😉

  3. Müller, Ute

    Liebe Claudia!
    Es ist schrecklich, aber Du hast recht, die Chirurgen machen es sehr deutlich!!
    Welcher Umstand, alles Geschlechtsgetreu zu sagen und zu schreiben…

  4. Anne

    Liebe Claudia,

    vielen Dank für diesen Beitrag. Ein wichtiges Thema, für das es sich unbedingt zu kämpfen lohnt! Passend zu den Chirurgen finde ich als Beispiel auch sehr bezeichnend, dass es oft als umständlich wahrgenommen wird, “Ärztinnen und Ärzte” zu sagen, aber niemand auf die Idee kommen würde, Krankenpfleger als Krankenschwestern zu bezeichnen. Sie würden sich das auch sehr verbitten, für Männer ist es weit selbstverständlicher, ihr Recht einzufordern als für viele Frauen.

    Liebe Grüße,
    Anne

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